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In unserem Archiv finden Sie viele verschiedene Veröffentlichungen der Unabhängige Liste aus der Vergangenheit, darunter

  • Berichte aus dem Schussenboten
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  • Schussenblättle
  • Veranstaltungsberichte
  • und vieles mehr



Pressespiegel

Nachfolgend finden Sie eine kleine Übersicht der zu den Vorkommnissen veröffentlichten Artikel und Pressemitteilungen:

Erklärung der SchwäZ-Redaktion Biberach (28.03.)

Stuttgarter Zeitung: Gegendarstellung (28.03.)

CDU Biberach: Amtsblatt und Freiheit der Presse (26.03.)

SchwäZ: Sorge um unabhängige Berichterstattung (26.03)

Junge Welt Berlin: Gefährliche Kritik im Blatt (26.03.)

Presseerklärung des FDP-Kreisvorsitzenden (25.03.)

Stuttgarter Nachrichten: OB rügt Zeitung in Biberach (25.03.)

Schwäbische Zeitung: Sorge um das Informationsrecht (25.03.)

Frankfurter Rundschau: Übermut in Oberschwaben (25.03.)

Presseerklärung des CDU-Kreisverbandes Biberach (23.03.)

www.Schaufenster-BC: Geht Zensur ... weiter? (23.03.)

Schwäbische Zeitung: Wir lassen uns unsere Unabhängigkeit ... (23.03.)

Sindelfinger Zeitung: Auch freie Mitarbeiter müssen gehen (21.03.)

Stuttgarter Zeitung: Weiter Wirbel um Biberacher Zeitung (20.03.)

Südwest Presse: Zeitungsleser gehen auf die Balken (20.03.)

Frankfurter Rundschau: Strittige Personalpolitik (18.03)

Presseerklärung des SPD-Kreisverbandes Biberach (18.03.)

Leonberger Kreiszeitung. Vor dem Landrat eingeknickt (16.03.)

Schwäbische Zeitung Biberach: In eigener Sache (16.03.)

Stuttgarter Zeitung: In Biberach kocht die Gerüchteküche (14.03.)

DJV: Schwäbische Zeitung knickt vor politischem Druck ein (14.03.)

Presseerklärung von Bündnis 90/Die Grünen, KV Biberach (12.03.)

Der SPD-Kreisverband führt eine Umfrage durch (extern)

Auf der Seite des ökologischen Jagdvereins können Sie die beanstandeten Artikel von Roland Reck finden (extern)


Erklärung der SchwäZ-Redaktion Biberach vom 22.03.:

Wir, die Mitarbeiter der SZ-Redaktion Biberach, sind enttäuscht und traurig. Auch zehn Tage nach der Freistellung/Kündigung unserer Kollegen wollen uns Entscheidung und Begründung nicht wirklich einleuchten.

Mit Gunther Dahinten und Roland Reck verlieren wir zwei von uns respektierte, engagierte, alles andere als arbeitsscheue Kollegen, die sich mit der Schwäbischen Zeitung identifiziert haben.

Die atemberaubende Konsequenz, mit der die beiden entfernt wurden - bis zur letzten Sekunde ahnten sie nicht, wie ihnen geschieht - schafft ein Klima der Angst: Wer könnte der nächste sein?

Ob wir in einem solchen Umfeld künftig zupackend, kritisch und fair arbeiten können - wir meinen, das taten wir bisher - wird sich zeigen.

(Quelle: www.Schaufenster-BC.de)

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Stuttgarter Zeitung vom 28.03.:

Gegendarstellung

In dem Artikel "In Biberach kocht die Gerüchteküche" in der Stuttgarter Zeitung vom 14. März (), der sich hinsichtlich der "Schwäbischen Zeitung" (hiesige Anmerkung: Der Schwäbische Verlag ist deren Verleger) zunächst mit zwei anderen personellen Vorgängen befasst, wird am Ende ausgeführt, dem Geschäftsführer Udo Kolb gehe der Ruf voraus, nicht zimperlich zu sein. Das habe er am Jahreswechsel 1998/1999 beweisen. Dazu wird am Artikel behauptet, "just am heiligen Abend" hätte der Kirchenredakteur Joachim Rogosch die fristlose Kündigung erhalten. Er hätte in privatem Gespräch mit dem damaligen Bischof Kasper "über die rüden Methoden geklagt, mit denen im Verlag Personalabbau betrieben werde". Im Anschluss an die weitere Schilderung, der Bischof habe diese Information an den Verleger der "Schwäbischen Zeitung", den Fürsten von Waldburg-Zeil weitergegeben, heißt es: "Prompt musste der aufmüpfige Journalist gehen."

Mit diesen Behauptungen sind der Anlass dieser Kündigung und deren Zeitpunkt unrichtig dargestellt, richtig ist vielmehr folgendes: Der damalige Bischof hatte den Fürsten von Waldburg-Zeil davon in Kenntnis gesetzt, dass der Redakteur Rogosch ihm gegenüber geäußert habe, die Geschäftsführung des Schwäbischen Verlags sei zunehmend scientologisch unterwandert. Daraufhin wollte der Chefredakteur der "Schwäbischen Zeitung" und der Geschäftsführer des Schwäbischen Verlags mit Herrn Rogosch ein Gespräch führen. Sie hielten ihm die vom Landesbischof berichtete Äußerung entgegen. Herr Rogosch erklärte hierauf lediglich, er unterhalte sich ab sofort nur noch über seinen Anwalt mit dem Schwäbischen Verlag. Daraufhin wurde ihm die Kündigung übergeben. Dies geschah auch nicht am Heiligen Abend, sondern am 21.Dezember 1998.

Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler
Dr. Udo Kolb, Geschäftsführer

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Amtsblatt und Freiheit der Presse

Um eines vorab klar zu stellen: auch der CDU-Stadtverband Biberach ist nicht glücklich über die Vorgänge bei der Lokalredaktion der Schwäbischen Zeitung Biberach. Erfunden und nicht nachvollziehbar sind in diesem Zusammenhang insbesondere die von seiten der SPD erhobenen Behauptungen. Die absurde Konstruktion, die Biberacher CDU stecke hinter diesen Vorgängen, ist nichts anderes als billige Parteitaktik, für die anscheinend jedes Thema herhalten muß. Hier wird ein Vorgang für eigene Zwecke instrumentalisiert, weit weg von jeglicher politischer Hygiene. Eine Partei, die selbst ein Presseimperium betreibt, sollte in solchen Aussagen zurückhaltend sein.

In der aktuellen Diskussion um die Schwäbische Zeitung hört man immer wieder die Forderung nach einem Amtsblatt. Dieses möchten wir zum Anlaß nehmen, auf zwei Dinge einzugehen, die bisher in der gesamten Diskussion kaum oder gar nicht gewürdigt wurden.

1. Freiheit der Presse

Die SPD, die Grünen und der Oberbürgermeister sorgen sich um die Pressefreiheit. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, daß die gerade genannten (und in diesem Zusammenhang schließen wir auch die CDU nicht aus), sich immer wieder und nicht nur einmal über die Berichterstattung der SZ beklagt haben. Vor nicht allzu langer Zeit kommentierte OB Fettback das verspätete Erscheinen eines kommunalpolitischen Vorgangs erneut mit dem Gedanken an ein Amtsblatt. Es war die Verwaltung, die vor einigen Jahren die Idee eines Amtsblattes aufgriff, welche allerdings bisher nicht umgesetzt wurde. Dieser Vorgang blieb natürlich nicht im Verborgenen und Geheimen. Es dürfte somit auch klar sein, daß solche Überlegungen nicht gerade zur Stärkung der Stellung eines lokalen Chefredakteurs beitragen. Auch die Diskussionen unter Mitgliedern des Gemeinderates messen dieser Idee eine besondere Qualität zu.

Was sind denn die Folgen?

Amtliche Bekanntmachungen sowie Anzeigen erscheinen im Amtsblatt (höhere Reichweite), die wirtschaftliche Situation des Lokalverlages/der Lokalausgabe wird entsprechend geschwächt, entsprechende Reaktionen (auch Personalabbau) müssen (und werden wohl) konsequenterweise in Kauf genommen. Hier sollte man sich schon die Frage stellen, ob gerade dieser Vorgang zur Unabhängigkeit einer Zeitung beiträgt und keine personelle Überlegungen mit sich zieht. Gerade diejenigen, die sich jetzt öffentlich beklagen, müssen sich daher fairerweise fragen, inwieweit sie nicht eben selbst zu dieser Situation um Herrn Dahinten beigetragen haben. Es ist doch eine irrige Annahme, daß Diskussionen über unzureichende Berichterstattung und ein städtisches Amtsblatt nicht bei der SZ gehört werden. Und diese Diskussionen wurden lange vor den aktuellen Vorgängen geführt. Der Weg zur momentanen Situation wurde schon somit viel früher geebnet.

2. Kritischer Journalismus in einem Amtsblatt

Was soll ein Amtsblatt wirklich bewirken? Neben den amtlichen Bekanntmachungen der Verwaltung, Bekanntmachungen der Kirchen und der Vereine, der Werbung wird es sicherlich ein Platz für kommunalpolitische Vorgänge geben. Mit konstruktiven und kritischem Journalismus wird dies wohl nicht in Verbindung zu bringen sein. Das Amtsblatt - seien wir ehrlich - ist ein Forum zur Selbstdarstellung der Verwaltung und der Fraktionen und Gruppierungen. Und es wird auch nur das erscheinen, was die Verwaltung und die Parteien selbst schreiben. Vom Anspruch eines objektiven Journalismus weit entfernt.

Tom Abele
Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Biberach

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Schwäbische Zeitung vom 26.03.:

Sorge um unabhängige Berichterstattung

BIBERACH - Zu den Personalentscheidungen bei der SZ-Biberach haben sich auch die Kreisverbände der CDU, der SPD und der Grünen geäußert.

Der CDU-Kreisverband Biberach weist die Gerüchte und Unterstellungen von Rot-Grün entschieden zurück, die Union im Kreis Biberach hätte Einfluss auf die Personalpolitik der SZ-Biberach genommen. Die Partei wörtlich: "Vielmehr müssen sich die SPD im Kreis und die Mandatsträger der Grünen fragen, ob es im Sinne einer unabhängigen und freien Berichterstattung gerechtfertigt ist, dass der Landtagskandidat der Grünen im Landkreis, sowohl im Vorwahlkampf wie auch in der heißen Wahlkampfphase, als Mitarbeiter in eigener Sache Berichte über Veranstaltungen anderer Kandidaten und Parteien beziehungsweise Verbände schreiben und veröffentlichen kann. Die SPD muss sich fragen lassen, ob es mit einer unabhängigen Berichterstattung vereinbar ist, dass der SPD-Kreisvorsitzende von Biberach als freier Mitarbeiter einen direkten Zugang für Pressemitteilungen der SPD hatte. Genauso fraglich ist die Unabhängigkeit eines SPD-Kreisvorstandsmitgliedes als Redakteurin von "INFO", das dem selben Verlag angehört wie die SZ. Diese Redakteurin hat zum Beispiel vier Tage vor der OB-Wahl in Biberach einen persönlichen Kommentar einseitig pro SPD-Kandidat veröffentlicht."

"Aufgrund dieser Fakten erscheint es grotesk, wenn sich nun die SPD im Landkreis Biberach um die Unabhängigkeit in der Berichterstattung der Medien sorgt. Der CDU-Kreisverband kann auf jeden Fall diese Befürchtungen der SPD zerstreuen, denn die CDU wird nicht wie Rot-Grün versuchen, Funktionsträger der Partei, weder als Angestellte noch als freie Mitarbeiter, in die Redaktionen der SZ zur politischen Berichterstattung zu bringen."

"Der CDU-Kreisverband braucht keine redaktionellen Wühlmäuse, sondern kämpft immer noch für eine faire, freie und unabhängige Berichterstattung aller Medien."

In der Stellungnahme des SPD-Kreisverbandes Biberach heißt es: "SPD-Kreisverband, SPD-Ortsvereine sowie SPD-Kreis-und Gemeinderäte sorgen sich um die Unabhängigkeit der Medien im Kreis. Die SPD ist bestürzt über die Nachricht, dass zwei leitende Redakteure der SZ-Biberach Knall auf Fall ihre Schreibtische räumen mussten."

"Trotz des Dementis von CDU-Landrat Peter Schneider, MdL, verstärkt sich der Eindruck, dass maßgebliche CDU-Vertreter massiven Einfluss auf die SZ ausgeübt haben. Die SPD fragt sich, welch andere Gründe so gewichtig sein konnten, dass Lokalchef Gunter Dahinten, nach 34 Jahren Tätigkeit, und Kreisredakteur Roland Reck gleichzeitig über Nacht gehen mussten."

"Der SPD liegen gesicherte Informationen vor, wonach schon vor Monaten der CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Romer bei der Geschäftsleitung und Chefredaktion der SZ in Leutkirch interveniert hat, um zu erreichen, dass politisch anders Denkende nicht mehr als freie Mitarbeiter für die SZ schreiben dürfen. Danach wurde den Betroffenen mitgeteilt, dass von ihnen keine weiteren Beiträge mehr erwünscht sind."

"Die SPD befürchtet, dass die SZ im Kreis Biberach endgültig dem Druck der CDU nachgegeben hat und fortan keine journalistisch unabhängige Berichterstattung mehr gewährleisten kann."

Der Kreisverband Biberach Bündnis 90 / Die Grünen stellt fest: "Herr Gunter Dahinten, der Redaktionsleiter der SZ-Biberach, und Herr Roland Reck, zuständig für die Kreispolitik, wurden vom Schwäbischen Verlag gekündigt und mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt. Beide Kündigungen sind ein schwerer Schlag gegen die Biberacher Redaktion der SZ. Die Kündigungen erfolgten für die Öffentlichkeit überraschend. Als offizielle Gründe werden zum einen betriebliche Gründe (Herr Reck) und Differenzen (Herr Dahinten) angegeben. Im Falle Herrn Recks trifft es just einen Journalisten, der in letzter Zeit Themen wie die Vergabepraxis des Sozialamtes Biberach oder die Heggbacher Einrichtungen aufgegriffen hat. Durch die Form eines kritischen Journalismus wurden fruchtbare Debatten in unserem Landkreis losgetreten."

"Wir befürchten, dass manche Berichte einigen Herren zu weit gingen und dass versucht wurde, in Leutkirch politischen Einfluss geltend zu machen. Sollte dies der Fall sein, wäre der Vorgang ein schwerer Schlag gegen den Meinungspluralismus innerhalb einer Zeitung mit regionaler Monopolstellung."

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Junge Welt vom 26.03.:

»Gefährliche« Kritik im Blatt

500 Biberacher gegen Monopolpresse. Wiedereinstellung von Redakteuren gefordert.

Der Oberbürgermeister von Biberach, Thomas Fettback (SPD), nannte es am Sonnabend »unmenschlich«, daß die Schwäbische Zeitung (SZ) die Spitze ihrer Biberacher Lokalredaktion entlassen habe. Der OB war der prominenteste Redner einer Protestveranstaltung von 500 Menschen, zu der Gewerkschaften und Gemeinderäte aufgerufen hatten.

Seit Wochen erregt die am 11. März verfügte fristlose Entlassung der SZ-Lokalredakteure Gunter Dahinten und Roland Reck die Gemüter in der Stadt. Kreisredakteur Reck war mit kritischen Berichten aufgefallen, in denen es um Mobbing in einer kirchlichen Behinderteneinrichtung, die restriktive Auszahlung von Sozialhilfe und die schleppende Umsetzung von Landesgesetzen im Bereich Jagd und Naturschutz ging. Insbesondere der CDU-Landrat und Landtagsabgeordnete Peter Schneider geriet dabei in die Kritik.

Dahinten, 34 Jahre SZ-Redakteur und »Institution« in der Region, hatte als Recks Chef dessen Artikel ins Blatt genommen. Nicht nur OB Fettback vermutet hinter den Entlassungen politische Gründe. Das sei eine Kündigung nach »Gutsherren-Art« und habe offenbar »Zensur-Hintergründe«, kritisiert ver.di in einer Stellungnahme. Auch für das örtliche »Aktionsbündnis Pressefreiheit« ist sicher, daß Schneider und der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Romer Druck auf die Leutkircher Zentralredaktion der SZ ausgeübt haben, um die Redakteure loszuwerden. Die SZ nutze ihr Pressemonopol, um Mitarbeiter mundtot zu machen, lautet ihr Vorwurf. In einer Zeit, in der der Einfluß von Politik und Wirtschaft auf die Medien immer stärker werde, müsse die Freiheit der Presse erhalten bleiben.

Um das Zeitungsmonopol der SZ zu brechen, ruft das Bündnis zu Protestbriefen, Abo-Kündigungen und einem Anzeigenboykott auf. »Es wird Zeit, daß es bald eine Alternative zur SZ in Biberach gibt«, sagte Andrea Sülzle vom »Aktionsbündnis Pressefreiheit« gegenüber jW.

SZ-Chefredakteur Joachim Umbach ficht diese Kritik nicht an. Die Entlassung von Reck sei aus »betrieblichen Gründen« erfolgt, die Kündigung Dahintens wegen »andauernder Meinungsverschiedenheiten«, gab er bekannt. Am Sonnabend teilte er in der Unabhängigen Zeitung für christliche Kultur und Sport -so der Untertitel der SZ -mit, daß man sich mit »Gerüchten und Unterstellungen von Außenstehenden« nicht beschäftigen werde und sich dem öffentlichen Druck nicht beuge. »Wir lassen uns unsere Unabhängigkeit nicht nehmen«, versichert Umbach.

Beteuerungen, die bei den Demonstranten auf Unglauben stießen. Zu nah liegt der Verdacht, daß der Haupteigentümer des Schwäbischen Verlages, Graf Waldburg-Zeil, dessen Bruder jahrelang CDU-Bundestagsabgeordneter war, mit den örtlichen CDU-Größen kungelt. Wohl auch wegen der aus CDU-Sicht ärgerlichen Wiederwahl des Sozialdemokraten Fettback zum OB im erzkonservativen Biberach vor fünf Wochen.

Gegen Redakteure, die sich eher für Fettback ausgesprochen hatten, seien im Verlagshaus Protestschreiben von CDU-Funktionären eingegangen, berichtete der örtliche SPD-Kreisvorsitzende Martin Gerster. Zu den Angegriffenen gehörten auch Dahinten und Reck. »Wir fordern die Verlagsleitung auf, die Kündigungen zurückzunehmen und auf den Boden der Pressefreiheit zurückzukehren«, sagte Reinhard Gumz von ver.di.

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Kündigungen der Biberacher SZ-Redakteure Gunther Dahinten und Dr. Roland Reck

Persönliche Stellungnahme von Peter Fischer (25.03.)
FDP-Kreis- und Ortsvorsitzender der Biberacher FDP

Es wäre ausserordentlich bedenklich und schädlich, wenn die Kündigungen dieser beiden Redakteure der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe Biberach), durch Chefredakteur Joachim Umbach aufgrund von politischem Druck hin erfolgt wären. Dies wäre ein überaus ernstzunehmender Angriff auf die Pressefreiheit. Da mir bisher nur Gerüchte zu Ohren gekommen sind, kann ich mich nicht in die Reihen der Ankläger stellen.

Die Art und Weise der Kündigungen und die Nicht-Information der Leser seitens der SZ hat stark befremdet.

 

Anfang 2001 hatte sich Landrat Peter Schneider (damals erst auf dem Wege zum MdL) direkt bei einer Inhaberfamilie der Schwäbischen Zeitung persönlich über eine Benachteiligung (!!) bei der Berichterstattung seines CDU-Wahlkampfes beschwert. Dies erstaunte uns ausserordentlich, weil wir ein stark gegenteiliges Empfinden hatten. Dies nahmen wir zum Anlaß, um auf eine aus unserer Sicht nicht ausgewogene, chancengleiche Berichterstattung aufmerksam zu machen. Chefredakteur Umbach ging nach einem telefonischen Dialog auf unseren Vorschlag ein und bat nach der Wahl Vertreter von CDU, SPD, Grüne

und Initiator FDP zu Gesprächen an einen „runden Tisch“ in Biberach. Aus diesem Gespräch möchte ich Aussagen herausgreifen, deren Bewertung ich Ihnen überlassen möchte:

 

Umbach: Nach genauer Analyse stellte die SZ fest, dass die Berichterstattung während des Wahlkampfes fair war, weil sie dem späteren Ergebnis entsprach – also ca. 56 % CDU.......6 % FDP (Anmerkung: Die FDP hatte fast so viele Veranstaltungen hatte wie die CDU).

 

Umbach: Wir müssen darüber berichten, was unsere Leser interessiert. Kommunalpolitik hat deshalb kein so starkes Gewicht.

 

Umbach: Die Zeitung braucht die Politik nicht. Die Politik braucht aber die Zeitung.

 

Umbach: „Es ist klar, dass eine Zeitung besser ist in Konkurrenzsituation. Aber bitte verstehen Sie, wenn ich die Südwestpresse dazu nicht einlade“.

 

Jeder Bürger in den Gemeinden unseres Landkreises ist dank der „Gemeindemitteilungsblätter“ besser informiert über das, was in seiner Gemeinde kommunalpolitisch vor sich geht und welche Fraktion bzw. welcher Gemeinderat vor welchem (wichtigen) Hintergrund entschieden hat. Diese Chance haben die Biberacher bei der bisher recht „dünnen“ und „farblosen“ Berichterstattung „Stadt und Land“ der Schwäbischen Zeitung leider nicht und müssen deshalb wohl auch bei der nächsten Kommunalwahl wieder aus dem Bauch heraus ihre Wahl treffen.

 

Wettbewerb in der Tagespresse auch in Biberach, das wünschen wir uns.

Wo Chefredakteur Umbach Recht hat, hat er Recht. Wettbewerbsbedingungen würden auch die Schwäbische Zeitung besser machen, ohne..................daran glaube ich nicht.

 

Schon 2001 haben wir die Südwestpresse in Ulm angeschrieben und gefragt: „Wann endlich wagen Sie den Schritt  von Laupheim nach Biberach“. Wir haben aus aktuellem Anlaß die Frage wiederholt.

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Aus den Stuttgarter Nachrichten vom 25.03.:

OB rügt Zeitung in Biberach - Protest gegen Entlassungen

Biberach (kfr) - Bei einer Kundgebung auf dem Marktplatz von Biberach haben am Samstag rund 400 Menschen gegen die Entlassung von zwei Lokalredakteuren der "Schwäbischen Zeitung" demonstriert.

Biberachs Oberbürgermeister Thomas Fettback (SPD) nannte die Kündigungen "unmenschlich" und "empörend". Auch die Journalistengewerkschaft sowie Grüne und SPD protestierten dagegen. Seit drei Wochen erregt die oberschwäbische Kreisstadt die Trennung von zwei anerkannten Lokalredakteuren, darunter der langjährige Lokalchef Gunther Dahinten. Dahinten gilt als bedächtiger Journalist.

Bei der Demonstration wurde vor allem Biberachs Landrat Peter Schneider (CDU) scharf angegriffen. Schneider soll nach Meinung der Demonstranten hinter den Maßregelungen stecken. "Die Freiheit stirbt Schneiderweise" und "Jagdsaison auf Journalisten: Waidmannsheil, Herr Landvogt" hieß es auf Transparenten. Auslöser des Konfliktes war unter anderem eine kritische Berichterstattung über die Jäger im Kreis Biberach.

"Es wurde politischer Druck ausgeübt", stellte auch Fettback bei der Kundgebung fest. Nach diesen Ereignissen sei in Biberach "kein unbefangener Journalismus mehr möglich", so Fettback weiter. Im Lokalteil der "Schwäbischen Zeitung" hatte Chefredakteur Joachim Umbach in der Samstagsausgabe von "organisierter Entrüstung" gegen das Blatt gesprochen. Fettback sprach von einer "Realitätsentfremdung bei den Verantwortlichen der Schwäbischen Zeitung". Umbach dagegen sagt, Grund für die Personalentscheidung sei gewesen, dass Dahinten "die Verletzung von journalistischen Grundregeln durch ihm unterstellte Mitarbeiter nicht unterbunden" habe.

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Aus der Frankfurter Rundschau vom 25.03.:

Übermut in Oberschwaben

Bürgerprotest gegen die "Schwäbische Zeitung"

Von Peter Henkel

Als Thomas Fettback anno 1994 vom Volk in Biberach zum Oberbürgermeister gewählt wurde, galt das als Sensation weit über die Kreisstadt im erzkatholischen Oberschwaben hinaus. Zwar hatte es ihm die CDU, in diesem Teil Baden-Württembergs seit Jahrzehnten verwöhnt mit haushohen Siegen, leicht gemacht mit allerlei internen Querelen; trotzdem konnte ein Sozialdemokrat aus Norddeutschland, damals unverheiratet mit einer Spanierin liiert, dennoch nur als Außenseiter angesehen werden in einem Landstrich wie diesem. Vor ein par Wochen, bei seiner Wiederwahl, kam Fettback auf 73 Prozent, der CDU-Bewerber auf 27.

Auch in Oberschwaben hat sich also einiges geändert. Es gibt eine Szene aus Roten und Grünen, aus Gewerkschaftern und eigenwilligen Christen, und auch viele sonst nicht engagierte Bürger lassen sich nicht mehr so leicht dem konservativen Lager zuschlagen wie ehedem. Manche wollen das offenbar nicht so recht glauben; und die CDU ist nach der neuerlichen Wahlpleite nervös.

Am Samstag auf dem Biberacher Holzmarkt bekannte Fettback öffentlich, er sei "empört und entsetzt", und er mache sich Sorgen um seine Stadt. Rund 600 Zuhörer, die trotz heftigsten Schneeregens ausharrten, klatschten Beifall. Den Anlass für des OB Sorgen und das Zusammenströmen der für eine 30 000-Einwohner-Stadt erstaunlichen Menschenmenge hat die im nahen Leutkirch erscheinende Schwäbische Zeitung (SZ) geboten, indem sie sich am 11. März Knall auf Fall von zwei Mitgliedern ihrer Lokalredaktion in Biberach trennte. Seither gibt es in Biberach und drumherum ein dominierendes Gesprächsthema. Es hat zu tun mit dem Wert, den auch gewöhnliche Leute auf Pressefreiheit legen, mit Angst vor mächtigem Filz und böser Willkür derer da oben. Dass die gewaltet hat beim Rauswurf des Chefs der Biberacher Lokalredaktion, Gunther Dahinten (59), und seines Redakteurs Roland Reck steht für viele fest.

Dahinten war 34 Jahre bei der SZ, obendrein eine "Institution" in der Region, wie es allenthalben heißt. Und Reck ist ein junger Reporter, mit Doktorhut übrigens, der in der kurzen Zeit seines Wirkens durch ein paar Artikel aufgefallen war: darunter Spitzen gegen CDU-Landrat Peter Schneider oder Kritik am angeblichen Mobbing in einer Behinderteneinrichtung

Dass beide unverzüglich ihre Schreibtische räumen mussten, lässt die Erklärungen von Chefredakteur Joachim Umbach als wenig glaubwürdig erscheinen: Mit Dahinten habe es länger schon nicht mehr ausräumbare Meinungsverschiedenheiten gegeben, und Reck sei gekündigt worden wegen der anhaltend schlechten wirtschaftlichen Lage. Wieso wird jemand deshalb sogleich an die Luft gesetzt? Umbach: "Wenn einer weiß, dass man sich von ihm trennen will, ist er kein Motivationsfaktor mehr für die Redaktion." Im Untertitel nennt sich die SZ eine "Unabhängige Zeitung für christliche Kultur und Politik".

Die Redner und ihr Publikum auf dem Holzmarkt wittern ganz anderes. Landrat Schneider oder der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Romer werden verdächtigt, den Chefs in Leutkirch den Rauswurf der beiden eingeflüstert zu haben. Hier stößt Umbach mit seiner am selben Tag im eigenen Blatt abgedruckten Beteuerung, die SZ lasse sich von niemandem beeinflussen, auf Unglauben. Und auf Zorn, weil er große Teile des Protests als "organisiert" und deshalb offenbar irgendwie wertlos bezeichnet. Leserbriefe in der SZ, die das Vorkommnis fünf Tage lang verschwieg, sprechen ganz überwiegend scharfe Missbilligung aus, lassen jede Menge Misstrauen erkennen. Auch im Internet leeren Leser den Kropf.

Die SZ ist in Biberach Monopolzeitung, und nun bekommen diejenigen Auftrieb, die wie eine Rednerin der Grünen meinen, es sei höchste Zeit für ein Konkurrenzblatt. Den Abonnenten der SZ (190 000 Auflage) ist noch in Erinnerung, wie vor drei Jahren der Kirchenredakteur geschasst wurde. Weil er sich beim Bischof über Personalabbau und miese Stimmung im Verlag beklagt hatte, bekam der fünffache Vater am Heiligen Abend die fristlose Kündigung. Demonstrationen und Lichterketten waren die Folge, auch Abbestellungen wie jetzt. Gelernt hat man in Leutkirch daraus offenbar nichts. Auch nicht, dass es manchen Leuten sauer aufstößt, wenn die Macht allzu ungeniert Arroganz und Übermut an den Tag legt. Binnen zwei Stunden wurden am Samstag 700 Protestunterschriften gesammelt, und ein Mann von der Gewerkschaft ver.di sagte, der Kampf gehe weiter, bis die beiden ihre Jobs wieder hätten.

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Aus der Schwäbischen Zeitung vom 25.03.:

Sorge um das Informationsrecht

BIBERACH (hb) - Oberbürgermeister Thomas Fettback sorgt sich wegen der Personalentscheidungen bei der SZ-Biberach weiter um das Informationsrecht der Bürger. Der OB war prominentester Redner einer Demonstration am Samstag auf dem Holzmarkt.

An der 50-minütigen Protestveranstaltung, zu der die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten Verband (DJV) aufgerufen hatten, nahmen etwa 200 Menschen teil. Redner waren neben dem OB unter anderen Reinhold Gumz (ver.di), Andrea Sülzle (Grüne, Gemeinderätin in Biberach), Jörg Tisken (DJV) und ein Vertreter der IG-Metall aus Ulm.

Er fühle sich genauso wie das (schlechte) Wetter, sagte Fettback. Er zeigte sich "immer noch erschüttert" und wiederholte seinen Vorwurf, dass es "politische Einflussnahme gegeben hat". An der Spekulation, ob Landrat Peter Schneider Einfluss genommen habe, wollte sich der OB nicht beteiligen. Den beiden Re-dakteuren bescheinigte er einen sachlichen und fairen Journalismus. Fettback äußerte die Sorge, dass "ein unbefangener Journalismus auf unabsehbare Zeit nicht gewährleistet ist" und hoffte, "dass die Welle der Empörung anhält, zum Wohl der Stadt und der freien Information".

Gumz sagte, wenn die Verleger den Auftrag der Verfassung, für eine freie und unabhängige Presse einzutreten, nicht erfüllten, dann sollten sie ihre Lizenzen wieder zurückgeben. Wörtlich: "Wir kämpfen dafür, dass Journalisten und Mitarbeiter wieder eingesetzt werden."

Sülzle sprach für die "Aktion Bündnis Pressefreiheit", in der nach ihren Angaben unter anderen GEW, IG Metall, ASF, ver.di und KAB vertreten sind. Sie kündigte ein gemeinsames Vorgehen an, nannte die Personalentscheidungen "menschenunwürdig" und sagte, es sei "allerhöchste Zeit", dass die SZ-Biberach Konkurrenz bekomme.

Auch Tisken bemühte das Wetter und sah "Eiseskälte in Biberach und der ganzen Medienlandschaft". Re-dakteure "Knall auf Fall den Schreibtisch räumen zu lassen", sei "unmenschlich" und "zynisch". Flankiert wurde der Protest durch einen Informationsstand auf dem Wochenmarkt, der unter anderen von SPD, Grünen und IG Metall unterstützt wurde.

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Pressemitteilung des CDU-Kreisverbandes Biberach

Der CDU Kreisverband Biberach weist die Gerüchte und Unterstellungen von
Rot-Grün entschieden zurück, die CDU im Kreis Biberach hätte Einfluss auf
die Personalpolitik der Schwäbischen Zeitung Ausgabe Biberach genommen.
Vielmehr müssten sich die SPD im Kreis und die Mandatsträger der Grünen
fragen ob es im Sinne einer unabhängigen und freien Berichterstattung
gerechtfertigt sei, dass der Landtagskandidat der Grünen im Landkreises
sowohl im Vorwahlkampf wie auch in der heißen Wahlkampfphase, als
Mitarbeiter in eigener Sache Berichte über Veranstaltungen anderer
Kandidaten und Parteien bzw. Verbände schreiben und veröffentlichen kann.
Die SPD muss sich fragen lassen ob es mit einer unabhängigen
Berichterstattung vereinbar ist, dass der SPD-Kreisvorsitzende von
Biberach als freier Mitarbeiter einen direkten Zugang für
Pressemitteilungen der SPD hatte. Genauso fraglich ist die Unabhängigkeit
eines SPD-Kreisvorstandsmitgliedes als Redakteurin des “INFO” das dem
selben Verlag angehört wie die SZ. Diese Redakteurin hat z.B. vier Tage
vor der OB Wahl in Biberach einen persönlichen Kommentar einseitig pro
SPD-Kandidat veröffentlicht.

Aufgrund dieser Fakten erscheint es grotesk wenn sich nun die SPD im
Landkreis Biberach um die Unabhängigkeit in der Berichterstattung der
Medien sorgt. Der CDU Kreisverband kann auf jeden Fall diese Befürchtungen
der SPD zerstreuen, denn die CDU wird nicht wie Rot Grün versuchen
Funktionsträger der Partei, weder als Angestellte noch als freie
Mitarbeiter in die Redaktionen der Schwäbischen Zeitung zur politischen
Berichterstattung zu bringen.

Der CDU Kreisverband braucht keine redaktionellen Wühlmäuse, sondern
kämpft immer noch für eine faire, freie und unabhängige Berichterstattung
aller Medien.

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Pressemitteilung des "www.schaufenster-bc" - Teams (23.03.)

Geht Zensur der öffentlichen Meinung in Biberach weiter ?

Biberach:
Möglicherweise geht die Zensur der Pressefreiheit in Biberach weiter: Der Journalist Uli Stöckle und die Medienagentur Ensemble wurden gestern am Freitag, den 22. März von der Anwaltskanzlei der Schwäbischen Zeitung mit einer Unterlassungserklärung konfrontiert.

Die Anwaltskanzlei wirft den Betroffenen vor, folgende Behauptungen aufgestellt zu haben:

"Die Schwäbische Zeitung vertuscht, dass die Chefredaktion der Schwäbischen Zeitung die Trennung von Gunther Dahinten auf Druck des Landrats Peter Schneider betrieben hat."
"Die betriebsbedingte Kündigung die gegenüber Dr. Roland Reck von Joachim Umbach ausgesprochen wurde, ist eine Falschmeldung"
"Der Landrat hat die Kündigung von Gunther Dahinten und Dr. Roland Reck betrieben"
"Die Kündigung von Dr. Roland Reck und Gunther Dahinten ist das Werk eines oberschwäbischen Klüngels"
"Die Kündigungen von Dr. Roland Reck und Gunther Dahinten sind vergleichbar mit der von den Gerichten in Memmingen betriebenen fragwürdigen Abtreibungsrechtsprechung"

Der betroffene Journalist und die Medienagentur verwahren sich gegen die Vorwürfe und stehen in Kontakt mit Ver.di, um sich dagegen zur Wehr zu setzen. Die Vorwürfe entbehren jeder Grundlage, erklären Stöckle und die Agentur. Die vorgeworfenen Behauptungen wurden nie aufgestellt, und entspringen, nach Angaben der Betroffenen, allein der willkürlichen, aber wohl für sich selbst sprechenden Auslegung der Zeitung des verteilten Flugblattes .

Uli Stöckle, seit 15 Jahren Journalist, kommentiert das Vorgehen der Schwäbischen Zeitung Biberach als untauglichen Versuch kritische Stimme ohne konkrete Anhaltspunkte mundtot zu machen. "Wir werden nicht einknicken, komme was wolle", sagt Stöckle im Interview, "auch der Vorwurf, wir hätten die Bevölkerung zum Boykott der Schwäbischen Zeitung aufgerufen ist haltlos, wir haben lediglich auf die allgemeinen Möglichkeiten hingewiesen, die ein Bürger hat, seinen Unmut kund zu tun. Natürlich gehört dazu auch der Hinweis darauf, persönliche Konsequenzen zu ziehen."

Die betroffene Medienagentur empfindet das Vorgehen der Schwäbischen Zeitung als Angriff auf die freie Meinungsäußerung sowie die Pressefreiheit und ist bereit, bis vor das Bundesverfassungsgericht zu gehen, um diese Grundrechte bestätigen zu lassen.

Zum Hintergrund: Stöckle und die Medienagentur haben sich in den vergangenen Wochen massiv mit Flugblättern für die Pressefreiheit und die plötzlich entlassenen bzw. freigestellten Redakteure Dr. Roland Reck und Gunther Dahinten in der Biberacher Lokalredaktion der Schwäbischen Zeitung eingesetzt. Dahinten war 34 Jahre Chefredakteur der Biberacher Ausgabe der Schwäbischen Zeitung. Reck war Kreisredakteur. Nach Angaben des Deutschen Journalisten Verbandes konnte die Schwäbische Zeitung bislang nur "fadenscheinige Vorwände" liefern um die Freistellung bzw. Kündigung zu rechtfertigen. Kommentar Stöckle: "Gegenüber dem, was DJV Vorsitzender Geibel in seiner Pressemitteilung erklärte, sind unsere Flugblätter pille-palle Kinderfasching. Ach ja und wie sagt Joachim Umbach so schön: "Die Schwäbische Zeitung wird auf der Seite derjenigen sein, die diese überholten Rituale aufbrechen, die in dieser Stadt - ohne Ansehen des Parteibuches - etwas positiv verändern wollen."" - Weder Stöckle, noch die Medienagentur sind parteipolitisch gebunden oder aktiv. Dass sich die Schwäbische, wie von Umbach heute, Samstag, angekündigt, in Zukunft Diskussionen entziehen will, um sich darauf zu konzentrieren, ein interessantes Blatt zu machen, weist nicht darauf hin, dass die Schwäbische tatsächlich die Interessen der Bürger vertritt.

Für Rückfragen: Uli Stöckle Tel.: 07351 -575920 oder 07351-75224
Alois Weckenmann Tel.: 07356 - 938 235
Orginal Schriftsätze unter www.schaufenster-bc.de

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Aus der Schwäbischen Zeitung vom 23.03.:

Wir lassen uns unsere Unabhängigkeit nicht nehmen!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das hat gut getan: 32 von Ihnen haben mich am Mittwoch angerufen. Ihre Beiträge waren kritisch und konstruktiv, besorgt und aufbauend, ablehnend und zustimmend - doch allesamt waren sie fair und interessiert. Sie unterschieden sich - aus meiner Sicht - wohltuend von der organisierten Entrüstung, die mich in den Tagen zuvor vorwiegend per E-Mail erreichte. Es gab allerdings auch Empörung, zu der nicht erst per Flugblatt oder elektronischer Nachricht aufgerufen werden musste.

Die "Schwäbische Zeitung" nimmt die Sorgen und Ängste ihrer Leser ernst, sehr ernst. Jeder Anrufer, der am Mittwoch die Gelegenheit nutzte, sich aus erster Hand zu informieren, wird das sicherlich bestätigen, auch wenn nicht in allen Gesprächen letztlich Übereinstimmung zu erzielen war. Das war auch nicht zu erwarten, weil vor allem die Trennung von Gunther Dahinten - von außen betrachtet - vielleicht nur schwer nachvollziehbar ist. Die Meinungsverschiedenheiten der letzten Monate und die vergeblichen Aufforderungen, Unzulänglichkeiten abzustellen, sind natürlich nicht öffentlich diskutiert worden.

Bei den meisten Lesern stand aber nicht unsere Personalentscheidung im Mittelpunkt des Interesses. Ihnen war die Frage wichtig, wofür die "Schwäbische Zeitung" inhaltlich steht, welche Art von Journalismus von ihr zu erwarten ist. Deshalb hier eine etwas ausführlichere Antwort dazu, die vielen Spekulationen und Unterstellungen der letzten Tage den Boden entzieht.

Die verlegerischen Vorgaben finden Sie im Untertitel unserer Zeitung: Unabhängige Zeitung für christliche Kultur und Politik. Im Grunde ist damit zwar nicht alles, aber sehr viel gesagt. Die SZ präsentiert - gleichgültig, ob in Aalen, Lindau, Tuttlingen oder Biberach - einen Journalismus, der vom Chefredakteur und der Redaktion gestaltet wird und nicht von außen beeinflusst oder gar gelenkt ist. Wir haben die Unabhängigkeit, die es uns ermöglicht, die Maßstäbe und Regeln für uns selbst zu bestimmen. Der Journalismus, den wir meinen und wollen, ist kritisch, konstruktiv und fair.

Das Selbstverständnis der SZ-Redaktion ist eindeutig und ihr Selbstbewusstsein groß: Wir sind von keiner Partei abhängig, wir sind vor allem unseren Lesern verpflichtet. Und diese erwarten von uns, dass wir Missstände aufzeigen, Probleme ansprechen, Skandale aufdecken. Die Leser erwarten allerdings auch von uns, dass das, was wir ins Blatt rücken, gründlich recherchiert, richtig dargestellt ist und der Wahrheit entspricht.

Und bei der Wahrheit sind wir dann auch beim zweiten Teil unseres Untertitels. Die SZ ist den christlichen Grundwerten verpflichtet. Darunter ist sicherlich ein gewisser Werte-Konservatismus, aber auch ein großes soziales Engagement sowie eine kräftig ausgeprägte Liberalität zu verstehen. Alles Wertmaßstäbe, die in fast allen demokratischen Parteien vorhanden sind. Womit auch die Aussage des zweiten Teils unseres Untertitels eindeutig ist: Keine parteipolitische Zuordnung!

Nun sind in der aktuellen Biberacher Diskussion Zweifel an der Unabhängigkeit der SZ-Redaktion aufgekommen - niemand weiß zwar Genaues, aber es wird immer wieder gerne kolportiert. Sicher wurden diese Gerüchte auch durch die eine oder andere Äußerung von Politikern erst angestoßen. Doch auch hier noch einmal zur Klarstellung: Was die Politiker - wer auch immer - sagen, ist das eine; wie die Chefredaktion der "Schwäbischen Zeitung" darauf reagiert, das ist das andere. Und die lässt sich ihre Unabhängigkeit nicht nehmen. Dafür kämpft sie. Gerade auch in diesen Tagen. Denn was wollen die, die jetzt den öffentlichen Druck auf die SZ organisieren? Sie wollen doch das, was sie anderen unterstellen: Einfluss auf die SZ nehmen! Es geht auch dabei um unsere Unabhängigkeit! Und wir werden uns nicht anders verhalten als vorher. Wir werden sie verteidigen!

Die Stimmung in Biberach ist derzeit ohne Zweifel aufgewühlt. Vor allem wegen des fortdauernden Wahlkampfes. Obwohl Landtagswahl und OB-Wahl ausgestanden sind, gibt es auf politischer Ebene nach wie vor die Unart, bei allen Bewertungen und Stellungnahmen erst einmal zu sondieren, welchen politischen Nutzen man für sich selbst und seine Partei daraus ziehen kann. Letztlich ist das eine Stimmungslage, die nicht zum Wohle der Stadt und der Menschen ist, die in ihr leben. Die "Schwäbische Zeitung" wird auf der Seite derjenigen sein, die diese überholten Rituale aufbrechen, die in dieser Stadt - ohne Ansehen des Parteibuches - etwas positiv verändern wollen.

Die "Schwäbische Zeitung" ist in diesen Tagen nicht nur in Biberach in der Diskussion gewesen - sie war auch im Fokus anderer Medien. Und einiges, was da so geschrieben und gesendet wurde, ist eine Blamage für die Branche.

Beispiele: Was ist von einer Straßenbefragung des SWR-Fernsehens zu halten, wenn vorher über E-Mails in ausgewählten Kreisen aufgefordert wird, auch ja zu einem bestimmten Zeitpunkt auf dem Marktplatz zu sein? Ein objektives Bild? Sicher nicht.

Was ist von einer Tageszeitung aus der Landeshauptstadt ("Stuttgarter Nachrichten") zu halten, die kritisch anmerkt, dass "auch freie Mitarbeiter gehen müssen"? Gemeint ist die ein Jahr alte Vorgabe der SZ-Chefredaktion, keine Parteifunktionäre als freie Mitarbeiter zu beschäftigen. Gleichzeitig erklärt jedoch Jürgen Offenbach, Chefredakteur der "Stuttgarter Nachrichten", auf Nachfrage, dass für ihn der Einsatz von aktiven Parteigängern als Mitarbeiter "absolut unvertretbar" sei. Und weiter: "Jede Redaktion tut gut daran, das nicht zuzulassen." Ach, was! Doch warum mokiert sich seine Redaktion dann über ein Haus, das genau das tut? Stuttgarter Geheimnisse!

Und was ist von einer Gewerkschaft (ver.di) zu halten, die ihre Mitglieder zu einer Versammlung zum Thema SZ-Biberach aufruft, aber den betroffenen Chefredakteur, der sich angeboten hat zu informieren, nicht dabei haben will? Diesmal getreu dem Motto: Ich lasse mir meine Meinung doch nicht durch andere Informationen kaputtmachen.

Die "Schwäbische Zeitung" hat keinen Grund, sich irgendwelchen Diskussionen zu entziehen. Trotzdem wird sie sich mit dem heutigen Tag wieder weniger mit Gerüchten und Unterstellungen von Außenstehenden beschäftigen. Wir werden unsere ganze Kraft darauf konzentrieren, für unsere Leser ein interessantes Blatt zu machen. Tag für Tag. Darauf haben Sie einen Anspruch. Wir werden ihn erfüllen.

Joachim Umbach

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Aus der Sindelfinger Zeitung vom 21.03.

Auch freie Mitarbeiter müssen gehen

Proteste gegen Entlassung bei der 
Schwäbischen Zeitung in Biberach

Stuttgart (maw) - Mit einer Demonstration und einer Unterschriftenaktion protestieren Biberacher Bürger gegen die überraschende Entlassung von zwei Redakteuren der ¸¸Schwäbischen Zeitung''.

Für Samstag haben SPD und Grüne, der Deutsche Journalistenverband, die IG Metall und unabhängige Bürger zu einer Protestaktion in Biberach aufgerufen. Mit der Entlassung des bisherigen Lokalchefs der Biberacher Redaktion sowie eines Kreisredakteurs solle kritischer Journalismus ¸¸mundtot'' gemacht werden, äußerten die Organisatoren des Protestes.

Am 11. März hatte das Blatt mit Hauptsitz in Leutkirch überraschend Gunther Dahinten freigestellt, der 34 Jahre lang, zuletzt als Redaktionsleiter, für die ¸¸Schwäbische Zeitung'' in Biberach arbeitete. Zugleich wurde Roland Reck, der für die Kreisseite Biberach verantwortlich war, entlassen. Über die Gründe wird in Oberschwaben heftig spekuliert. Die SPD vermutet, dass die Entlassungen auf den Druck von CDU-Politikern zurückgehen. Über Landrat Peter Schneider (CDU), seit 2001 auch Landtagsabgeordneter, hatte Reck mehrmals kritisch berichtet.

Am Mittwoch wurde außerdem bekannt, dass sich das Blatt von zwei freien Mitarbeitern der Biberacher Lokalredaktion trennt: Eugen Schlachter, im vergangenen Jahr Landtagskandidat der Grünen, und Martin Gerster, SPD-Kreisvorsitzender und voriges Jahr im Wahlkampfteam von Ute Vogt. Er habe Dahinten bereits vor einem Jahr nahe gelegt, die beiden Mitarbeiter nicht mehr weiterzubeschäftigen, sagte Chefredakteur Joachim Umbach am Mittwoch auf Anfrage. Eine wichtige Aufgabe in einer Partei lasse sich nicht mit Lokaljournalismus vereinbaren. Das widerspreche seinem Verständnis von ¸¸journalistischer Hygiene'', so Umbach. Reck dagegen sei aus ¸¸betrieblichen Gründen'' gekündigt worden.

Bis Dienstagabend gingen laut Umbach 15 Abo-Kündigungen und 25 Protest-E-Mails ein. Heute stellt sich der Chefredakteur den Lesern zu einem Gespräch.

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Aus der Stuttgarter Zeitung vom 20.03.

Weiter Wirbel um Biberacher Zeitung

BIBERACH. Eine neue Spitze in der Lokalredaktion der "Schwäbischen Zeitung" hat die Gemüter nicht beruhigt. Vor kurzem war der langjährige Leiter der Lokalredaktion aller Pflichten enthoben worden. Jetzt soll es eine Unterschriftenaktion geben.

Von Annegert Bock

Noch immer ist der überraschende Wechsel an der Spitze der Biberacher Lokalausgabe der "Schwäbischen Zeitung" Tagesgespräch in der Stadt mit 31 000 Einwohnern. Inzwischen hat Chefredakteur Joachim Umbach erklärt, die "Schwäbische Zeitung" habe Gunther Dahinten, der seit 34 Jahren in der Biberacher Lokalredaktion arbeitet, freigestellt, "da schon länger andauernde Meinungsverschiedenheiten nicht mehr auszuräumen waren". Weiter heißt es wörtlich: "Das ist keine Schande, das kommt in den besten Firmen vor." Man habe Gunther Dahinten Angebote gemacht, "wie man mit Anstand auseinander gehen kann".

Dem Kreisredakteur Roland Reck sei hingegen wegen der "anhaltend unbefriedigenden wirtschaftlichen Situation der Branche" aus betrieblichen Gründen gekündigt worden. Im Übrigen wies Umbach alle politisch motivierten Gerüchte zurück: "Eine Einflussnahme seitens des Landrates oder irgendeines Außenstehenden hat es nicht gegeben."

Viele Biberacher sehen das offenbar anders. Die örtliche SPD hat eine Umfrage ins Internet gestellt. Bis gestern waren 61,6 Prozent der Befragten der Meinung, die beiden Redakteure hätten wohl auf politischen Druck ihre Sessel räumen müssen. Auch die Journalistenverbände sehen in der Kündigung nach Gutsherrenart offenbar "Zensurhintergründe". Der Biberacher Uli Stöckle von der Medienagentur Ensemble hat inzwischen eine Solidaritätsaktion mit den Redakteuren gestartet und eine Anfrage an die Stadtverwaltung gerichtet.

Es geht um die Herausgabe eines unabhängigen Gemeinde- oder Stadtblatts für amtliche Bekanntmachungen. Die Multimediaagentur vertreibt ein Faltblatt, in dem von Vertuschung, Falschmeldungen, Medienfilz und Imageschäden die Rede ist. Grüne und SPD haben sich ebenfalls des Themas angenommen. Der SPD-Kreisvorsitzende Martin Gerster sieht einen Zusammenhang mit der Wiederwahl von OB Thomas Fettback (SPD) mit 73 Prozent. Auch gegen andere Redakteure, die sich eher für Fettback ausgesprochen haben, seien bei den Verlagshäusern offenbar Protestschreiben von CDU-Funktionären eingegangen. Wenn eine politische Partei in Oberschwaben mitbestimme, wer in den Redaktionen schreiben darf, stelle sich die Frage, ob die Pressefreiheit gewährleistet sei.

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Aus der Südwest Presse vom 20.03.

Zeitungsleser gehen auf die Barrikaden

 

Personalentscheidungen der Leutkircher Zentrale treiben Leser der "Schwäbischen Zeitung" auf die Straße. Am Samstag soll in Biberach demonstriert werden.

WOLFGANG GRÖNER

BIBERACH 34 Jahre lang hat Lokalchef Gunther Dahinten die Biberacher Ausgabe der "Schwäbischen Zeitung" geprägt. Die plötzliche "Freistellung" des 59-jährigen Redaktionsleiters schlägt in der oberschwäbischen Kreisstadt jetzt hohe Wellen. Wie Chefredakteur Joachim Umbach "in eigener Sache" in der Biberacher Samstagausgabe bekannt gab, sei die anhaltend unbefriedigende wirtschaftliche Situation der Medienbranche auch an der "Schwäbischen Zeitung" nicht spurlos vorüber gegangen: "Wir sind deshalb außerdem gezwungen, uns von dem Redakteur Roland Reck aus betrieblichen Gründen zu trennen."

Berichte des Kreisredakteurs hatten zu Differenzen mit dem Biberacher Landrat und Landtagsabgeordneten Peter Schneider (CDU) geführt. Ein Artikel über Mobbing in einer Behinderteneinrichtung, eine Reportage über angeblich nicht zugestandene Sozialhilfe sowie ein Bericht über Tiermehlverfütterung bei Jagdpächtern haben sogar zu einer Gegendarstellung des Landrats geführt. Schneider dementierte jedoch, dass er in der Leutkircher Zentrale der Zeitung Druck gemacht habe, um Dahintens Absetzung zu erreichen. "Eine Einflussnahme seitens des Landrats oder irgendeines anderen Außenstehenden hat es nicht gegeben", sagt auch Chefredakteur Umbach.

Dass der Lokalchef nach mehr als 30 Dienstjahren den Schreibtisch räumen musste, hat in Biberach eingeschlagen wie eine Bombe. "Ich bin erschüttert", sagte Oberbürgermeister Thomas Fettback (SPD), erst vor kurzem mit 73 Prozent der Wählerstimmen in seinem Amt bestätigt.

Auch der Biberacher Stadtrat drückte in seiner Sitzung am Montag sein Missfallen über die Personalentscheidung aus Leutkirch aus. Man könne sich nicht vorstellen, was zu der Entlassung der Redakteure geführt haben könnte.

Bereits einen Tag nach der Entlassung der beiden Journalisten wurde in Biberach ein Flugblatt "Unchristlich und ohne Kultur - Zensur in Biberach?" verteilt. Hintergrund: Die "Schwäbische" firmiert im Titel als "unabhängige Zeitung für christliche Kultur und Politik". Die Unterzeichner des Flugblatts kündigten an, ihre Abonnements sofort zu kündigen, um damit dem Verlag in Leutkirch zu demonstrieren, dass Pressefreiheit über Bevormundung stehe.

Auch in Leserbriefen an das Wochenblatt das mit mehr als 53 000 Exemplaren ebenfalls im Kreis Biberach erscheint und zur SÜDWEST PRESSE gehört, machten Leser der "Schwäbische Zeitung" ihrem Ärger Luft und kündigten Proteste an.

Wie aus der Biberacher Lokalredaktion der "Schwäbischen" zu erfahren war, soll es seit Bekanntwerden der Entlassungen vor einer Woche Abokündigungen "nur so hageln". Für den kommenden Samstag um 9 Uhr planen die Grünen, die SPD, unabhängige Bürger und der Deutsche Journalistenverband eine gemeinsame Aktion auf dem Biberacher Marktplatz.

Eine Stellungnahme von Chefredakteur Umbach war gestern nicht zu bekommen.

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Offizielle Stellungnahme der SPD zu den Vorgängen bei der "Schwäbischen Zeitung" (18.03.)


"SPD-Kreisverband, SPD-Ortsvereine sowie SPD-Kreis-und Gemeinderäte im Kreis Biberach sorgen sich um die Unabhängigkeit der Medien im Kreis. Die SPD ist bestürzt über die Nachricht, dass zwei leitende Redakteure der Schwäbischen Zeitung Biberach Knall auf Fall ihre Schreibtische räumen mussten.

Trotz des Dementis von CDU-Landrat Peter Schneider MdL verstärkt sich der Eindruck, dass maßgebliche CDU-Vertreter massiven Einfluss auf die Schwäbische Zeitung ausgeübt haben. Die SPD fragt sich, welch andere Gründe so gewichtig sein konnten, dass Lokalchef Gunter Dahinten nach 34 Jahren Tätigkeit und Kreisredakteur Roland Reck gleichzeitig über Nacht gehen mussten.

Der SPD liegen gesicherte Informationen vor, wonach schon vor Monaten der CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Romer bei der Geschäftsleitung und Chefredaktion der Schwäbischen Zeitung in Leutkirch interveniert hat, um zu erreichen, dass politisch anders Denkende nicht mehr als Freie Mitarbeiter für die Schwäbische Zeitung schreiben dürfen. Kurz danach wurde den Betroffenen mitgeteilt, dass von ihnen keine weiteren Beiträge mehr erwünscht sind.

Die SPD befürchtet, dass die Schwäbische Zeitung im Kreis Biberach endgültig dem Druck der CDU nachgegeben hat und fortan keine journalistisch unabhängige Berichterstattung mehr gewährleisten kann.

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Aus der Frankfurter Rundschau vom 18.03.

Strittige Personalpolitik im Ländle

Die Schwäbische Zeitung hat mit sofortiger Wirkung zwei Redakteure der Lokalausgabe in Biberach von ihren Aufgaben entbunden. In Redaktionskreisen wird der Rauswurf des Biberacher Lokalchefs Gunther Dahinten und des Redakteurs Roland Reck als Versuch interpretiert, zwei unbequeme Leute loszuwerden, "koste es, was es wolle". Gunther Dahinten gehörte dem Blatt seit über 30 Jahren an. Chefredakteur Joachim Umbach warf Dahinten mangelnde Führung und Reck, der mehrfach durch kritische Berichte aufgefallen war, handwerkliche Fehler vor.

Bereits vor drei Jahren war die "Zeitung für christliche Kultur und Politik", so der Untertitel, durch ihre Personalpolitik aufgefallen: Am Heiligen Abend hatte das Blatt mit einer Auflage von rund 190 000 ihrem langjährigen Redakteur für Kirchenfragen fristlos gekündigt, da der sich beim Rottenburger Bischof über den Personalabbau im Verlag beklagt hatte. he

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Leonberger Kreiszeitung vom 16.03.

Vor dem Landrat eingeknickt?

Gewerkschaft kritisiert ¸¸Schwäbische Zeitung''

Biberach - Zwei Personalentscheidungen der ¸¸Schwäbischen Zeitung'' sorgen im Kreis Biberach für Unruhe. Die Regionalzeitung trennt sich von einem langjährigen Redaktionsleiter und hat darüber hinaus einen Redakteur fristlos entlassen.

VON FRANK SCHWAIBOLD

Nun schießen die Spekulationen ins Kraut. ¸¸Skandalös'' nennt Karl Geibel vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) die Freistellung des Biberacher Lokalchefs Gunther Dahinten und die Kündigung des Kreisredakteurs Roland Reck. Chefredaktion und Geschäftsleitung seien ¸¸schlicht vor politischem Druck des Landrats Peter Schneider (CDU) wegen missliebiger Berichterstattung eingeknickt''. Aktueller Anstoß seien ¸¸zwei kritische Berichte über die Sozialhilfepraxis im Landratsamt sowie das Spannungsfeld Naturschutz und Jagd gewesen''. Dazu kommt: Der Kreistag überlegt, ob die Zeitung ihren Status als Amtsblatt verliert.

Schneider weist den Vorwurf, er habe Einfluss genommen, entschieden zurück. Allerdings macht er auch keinen Hehl daraus, dass er mit den Berichten von Reck nicht einverstanden war. Der Redakteur habe ¸¸ohne jede Recherche vermeintliche Skandale aufgebauscht''. Als Beispiel führt Schneider einen Artikel über die Jagd an, zu der Dahinten letztendlich eine 170 Zeilen lange Gegendarstellung des Landrats abdrucken ließ. In dem Bericht hatte Reck kritisiert, das Landratsamt sei untätig bei Verstößen gegen das Landesjagdgesetz. Schneider dagegen sagt, die Behörde sei ¸¸unverzüglich'' allen Anzeigen nachgegangen. Tatsächlich habe man dann zwei Verstöße beanstanden müssen. Laut Schneider gab es durch Reck ¸¸immer wieder falsche Tatsachenbehauptungen''. Deshalb habe er ¸¸es sich auch erlaubt'', bei dessen Chef Dahinten anzurufen und sich zu beschweren. Im Fall Reck habe die Zeitung nun ¸¸eine Konsequenz gezogen, die die Leute hier schon seit Monaten erwarten''. Dass allerdings auch Dahinten gehen soll, ¸¸überrascht'' Schneider. Denn den Lokalchef hält er ¸¸für einen guten Journalisten, der auch gründlich recherchiert''. Chefredakteur Joachim Umbach wehrt sich ebenfalls gegen den Vorwurf, dass politische Kräfte für die Trennung von den Redakteuren verantwortlich seien. ¸¸Ich habe Herrn Schneider zuletzt vor einem Jahr gesehen und vor drei Monaten letztmals mit ihm telefoniert.'' Über die Gründe, die zur Freisetzung von Dahinten führte, will Umbach ¸¸zu dessen Wohl'' nichts sagen. Der Verlag habe dem Lokalchef, der 30 Jahre bei dem Blatt arbeitete, ¸¸ein Angebot gemacht, über das wir noch im Gespräch sind''. Reck dagegen sei ¸¸betriebsbedingt'' gekündigt worden.

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Schwäbische Zeitung Biberach vom 16.03

Neue Redaktionsspitze bei der SZ Biberach

Die Regional- und Lokalredaktion Biberach hat seit dieser Woche einen neuen Leiter. Der 56-jährige Hartmut Bigalke, bisher Mitglied der SZ-Chefredaktion in Leutkirch, folgt auf Gunther Dahinten. Ich bin sicher, dass die "Schwäbische Zeitung" in Biberach unter der Führung des erfahrenen Kollegen Hartmut Bigalke die Ansprüche erfüllen kann, die sie sich selbst stellt: Und zwar einen unabhängigen, sauberen und fairen Journalismus zu machen.

Die "Schwäbische Zeitung" hat - eine Entscheidung, die uns sehr schwer gefallen ist - Gunther Dahinten freigestellt, da schon länger andauernde Meinungsverschiedenheiten nicht mehr auszuräumen waren. Das ist keine Schande, das kommt in den besten Firmen vor. Deshalb hat die "Schwäbische Zeitung" Gunther Dahinten auch Angebote gemacht, wie man mit Anstand auseinandergehen kann. Über die jetzt Gespräche geführt werden.

Wenn nun politisch motivierte Gerüchte kursieren, dass die Chefredaktion die Trennung von Gunther Dahinten auf Druck des Landrates Peter Schneider betrieben hat, dann ist das schlichtweg falsch. Eine Einflussnahme seitens des Landrates oder irgendeines anderen Außenstehenden hat es nicht gegeben.

Die "Schwäbische Zeitung" ist eine unabhängige Tageszeitung, die sich publizistisch nicht unter Druck setzen lässt. Auch nicht bei ihren Personalentscheidungen. Das war seit nunmehr fast sechs Jahrzehnten so. Und das wird auch in Zukunft so bleiben. In diesem Sinne fühlen wir uns unseren Leserinnen und Lesern in Biberach, aber auch in anderen Regionen unseres Verteilungsgebietes verpflichtet.

Die anhaltend unbefriedigende wirtschaftliche Situation der Medienbranche ist auch an unserem Hause nicht spurlos vorübergegangen. Wir sind deshalb außerdem gezwungen, uns von dem Redakteur Roland Reck aus betrieblichen Gründen zu trennen.

Joachim Umbach,
Chefredakteur der "Schwäbischen Zeitung"
Leutkirch, 15. März 2002

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Aus der StZ vom 14.03

In Biberach kocht die Gerüchteküche

Zwei Redakteure der Lokalzeitung müssen ohne Begründung
Knall auf Fall ihren Stuhl räumen

Überraschend ist der langjährige Lokalchef der "Schwäbischen Zeitung" in Biberach von allen Pflichten als Redaktionsleiter entbunden worden. Gleichzeitig hat man einem Kreisredakteur gekündigt.

Von Annegert Bock

"Knall auf Fall", so wird in Biberach berichtet, haben die beiden Journalisten am Montag ihren Schreibtisch räumen müssen. Seit gestern können sich auch die Leser davon überzeugen. Der Name Gunther Dahinten, der seit Jahrzehnten im Landkreis Biberach als der lokale Pressemann schlechthin gilt, steht nicht mehr im Impressum. Der Chefredakteur Joachim Umbach von der "Schwäbischen Zeitung" Leutkirch bestätigt, dass Dahinten und Roland Reck nicht mehr an ihre Schreibtische in den Redaktionsräumen am Biberacher Marktplatz zurückkehren werden. Über Gründe und Hintergründe wolle er im Interesse der Kollegen aber nicht sprechen, es werde noch verhandelt.

Spekuliert wird darüber, dass der Verlag Dahinten, der die fünfzig seit längerem überschritten hat, lediglich in den vorgezogenen Ruhestand schicken will, während Reck gekündigt wurde. Reck hatte die Kreisredaktion erst vor knapp einem Jahr übernommen. Die "Schwäbische Zeitung" mit einer Gesamtauflage von 200 000 Exemplaren erscheint in 25 Lokalausgaben. Im Kreis Biberach hat das Blatt eine Monopolstellung.

Die emotional geführten Diskussionen, die seit einem halben Jahr von Reck in Gang gesetzt wurden, beispielsweise über mangelnde Sozialhilfe im Kreis, über Mobbing in den Heggbacher Anstalten oder unzulässige Tiermehlverfütterung bei den Jagdpächtern, fanden eine zwiespältige Resonanz. Das Gerücht, Landrat Peter Schneider habe sich höchstpersönlich für die Entlassung eingesetzt, weist der CDU-Politiker entschieden zurück. Seit einem Jahr sei er überhaupt nicht mehr in der Leutkircher Zentralredaktion gewesen. Er habe keinerlei Einfluss auf die Presse: "Da wird mir zu viel zugetraut."

Er glaube an die Unabhängigkeit der Zeitungsverlage, die Pressefreiheit sei ihm wichtig. Allerdings habe auch er vier Artikel der "Schwäbischen Zeitung" in Biberach "journalistisch nicht nachvollziehen können" und habe sich deshalb mit Gegendarstellungen und Richtigstellungen gewehrt. Mit Gunther Dahinten habe er allerdings nie ein Problem gehabt. Er halte bewusst den Medien gegenüber Distanz, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete. Der Landkreis beschäftige deshalb auch nur eine Pressesprecherin in Teilzeit. Schneider streitet nicht ab, dass es Überlegungen gegeben habe, der "Schwäbischen Zeitung" Biberach die Funktion als Amtsblatt für Kreis und Stadt zu nehmen. Auch Kreisräte hätten sich darüber geärgert, dass viele Mitteilungen nur verkürzt oder gar nicht in der Lokalausgabe abgedruckt würden. Man habe "andiskutiert", ein eigenes Mitteilungsblatt herauszugeben. Das wäre sicherlich nicht im Interesse des Schwäbischen Verlags gewesen, aber wohl auch kein Kündigungsgrund.

Dem Geschäftsführer Udo Kolb geht allerdings der Ruf voraus, nicht zimperlich zu sein. Das hat er am Jahreswechsel 1998/99 bewiesen. Just am Heiligen Abend hatte der Kirchenredakteur Joachim Rogosch, Vater von fünf Kindern, die fristlose Kündigung erhalten. Er hatte in privatem Gespräch mit dem damaligen Landesbischof Walter Kasper über die rüden Methoden geklagt, mit denen im Verlag Personalabbau betrieben werde. Der Bischof gab diese Information an den Verleger der "Schwäbischen Zeitung", den Fürsten von Waldburg-Zeil, weiter. Prompt musste der aufmüpfige Journalist gehen. Kein Wunder, dass man jetzt munkelt, dass Dahinten gehen muss, weil er sich für seinen Kollegen Reck stark gemacht hat.

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Stellungnahme des DJV vom 14.03.:

Schwäbische Zeitung knickt vor politischem Druck ein

Skandalös nannte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) Baden-Württemberg, Karl Geibel, heute die sofortige Freistellung und angekündigte Kündigung des Biberacher Redaktionsleiters Gunther Dahinten und des Kreisredakteurs Dr. Roland Reck durch die Schwäbische Zeitung.

Chefredaktion und Geschäftsleitung der Schwäbischen seien schlicht vor politischem Druck des Biberacher Landrats Peter Schneider (CDU) wegen missliebiger Berichterstattung eingeknickt. Tatsächlich habe Landrat Schneider schon lange darauf gedrängt, dass sich die Berichterstattung der Schwäbischen Zeitung ändere. Aktueller Anstoß seien zwei kritische Berichte über die Sozialhilfepraxis im Biberacher Landratsamt sowie über das Spannungsfeld Naturschutz und Jagd gewesen. Chefredakteur Joachim Umbach habe daraufhin den beiden Journalisten Kampagnenjournalismus vorgeworfen, ohne sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Stattdessen seien fadenscheinige Gründe vorgeschoben worden, um sie feuern zu können. Im Fall Reck würde behauptet, seine Stelle falle aus Einsparungsgründen weg. In Wahrheit sei die Stelle sofort wieder besetzt worden. Im Fall Dahinten versuche man, einen langgedienten und profilierten Lokaljournalisten mit dem Totschlagsargument der unterschiedlichen Auffassungen über die Leitung einer Lokalredaktion loszuwerden. Dies sei eine verschärfte Form des öffentlichen Mobbings gegenüber Mitarbeitern, denen man soziale Verantwortung schuldet, kritisierte der DJV-Landesvorsitzende.

So geht unabhängiger Journalismus vor die Hunde, meinte Geibel. Die Redakteure müssten selbst entscheiden können, wie sie über eine tagesaktuelle Frage berichten, solange sie die journalistischen Sorgfaltspflichten wahrten. Das sei die Rechtslage in Sachen innerer Pressefreiheit. Mit Duckmäusertum sei kein kritischer Journalismus zu machen, warnte Geibel. Bei der Schwäbischen werde aber durch rigiden Führungsstil nicht erst seit dem Fall Joachim Rogosch das Betriebsklima systematisch von der Führungsspitze zerstört.

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Presseerklärung von Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Biberach


Herr Gunter Dahinten, der Redaktionsleiter der Schwäbischen Zeitung Biberach, und Herr Roland Reck, zuständig für die Kreispolitik, wurden vom Schwäbischen Verlag gekündigt und mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt. Beide Kündigungen sind ein schwerer Schlag gegen die Biberacher Redaktion der SZ. Die Kündigungen erfolgen für die Öffentlichkeit überraschend. Als offizielle Gründe werden zum einen betriebliche Gründe (Herr Reck) und Differenzen (Herr Dahinten) angegeben. Im Falle Herrn Recks trifft es just einen Journalisten, der in letzter Zeit Themen wie die Vergabepraxis des Sozialamtes Biberach oder die Heggbacher Einrichtungen aufgegriffen hat. Durch die Form eines kritischen Journalismus wurden fruchtbare Debatten in unserem Landkreis losgetreten. Wir befürchten, dass manche Berichte einigen Herren zu weit gingen und dass versucht wurde, in Leutkirch politischen Einfluss geltend zu machen. Sollte dies der Fall sein, wäre der Vorgang ein schwerer Schlag gegen den Meinungspluralismus einer Zeitung mit regionaler Monopolstellung.

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