|
Kirchenasyle:
Nicht legal - aber legitim
Bei der
Informationsveranstaltung der Unabhängige Liste Bad Schussenried
und der Grünen am 23. November zum Thema "Asylpolitik
in Baden Württemberg" waren sich die Referenten MdL Renate
Thon und Pfarrer Horst Oberkampf darüber einig, dass es eine
Veränderung hin zu einer menschlicheren Asylpolitik geben müsse.
Pfarrer
Horst Oberkampf berichtete über das Schicksal der syrischen
Familie Abdullahad, die seit einem Jahr in der evangelischen Christuskirche
Zuflucht vor der drohenden Abschiebung gefunden hat. Die alleinerziehende
Mutter von fünf Kindern, verließ vor zehn Jahren ihr
Land, nachdem ihr Ehemann dort umgebracht wurde. Sie kam nach Deutschland,
weil ihre neun Geschwister bereits hierher geflohen waren. Diese
wurden mit ihren Familien bereits in Deutschland eingebürgert.
Bei ihrer Ausweisung muss die Familie Repressalien von Seiten des
syrischen Regimes befürchten, auch weil der behinderte Sohn
dort den Militärdienst verweigert hat, führte Pfarrer
Horst Oberkampf in seinen ergreifenden Schilderungen aus. Doch diese
Argumente nützten der Familie nichts. Sie wäre, wenn sie
nicht Schutz gefunden hätte, im Dezember letzen Jahres abgeschoben
worden.
Duldung
durch Innenminister Schäuble
Seit
September diesen Jahres gibt es eine Zusage von Innenminister Schäuble,
die eine Duldung in Aussicht stellt, bis eine weitere rechtliche
Prüfung des Falles erfolgt ist. Dieses Zugeständnis der
Landesregierung ist der gemeinsamen Intervention aller drei Bundestagsabgeordneten
des Kreises, Romer, Weisheit und Metzger, bei Ministerpräsident
Teufel zu verdanken. "Können und dürfen wir uns jetzt
freuen?", fragte Pfarrer Oberkampf in seinem Redebeitrag. "Ja,
weil es Hoffnung gibt und weil die vielen Zeichen der Solidarität
Mut machen, und nein, weil es noch keine endgültige Sicherheit
für die Familie gibt", lautete seine Antwort.
In
Baden-Württemberg Besonders enge Auslegung der Altfallregelung
"Kirchenasyle
sind eine Art zivilen Ungehorsams", begann Renate Thon ihren
Vortrag. Sie hat als Mitglied des Petitionsausschusses Einblick
in viele Flüchtlingsschicksale. Deutschland sei längst
ein Einwanderungsland, gewollt oder ungewollt, aber die Politik
habe rechtzeitige Integrationsmaßnahmen versäumt. Jetzt
häuften sich die Fälle, in denen qualifizierte Arbeitskräfte
des Landes verwiesen werden. Und das, obwohl wir in zunehmenden
Maße Arbeitskräfte aus dem Ausland benötigen werden,
so Frau Thon. Für ihre Partei kritisierte die Grüne Landtagsabgeordnete,
dass die Baden-Württemberger Landesregierung die Altfallregelung
bei Asylbewerbern besonders eng auslege. Sie hofft auf eine Regelung
der Innenministerkonferenz, die es vor allem den bosnischen Flüchtlingen,
welche noch in Baden-Württemberg lebten, ermöglichen soll
hier zu bleiben.
Härtefallkommission
gefordert
"Diejenigen,
die jetzt noch da sind, hatten in ihrer Heimat fürchterliche
Erlebnisse wie Mord, Folter und Vergewaltigungen. Man muss ihnen
eine Konfrontation mit ihren Peinigern ersparen", führte
sie aus. Die Grünen fordern die Berufung einer Härtefallkommission,
in der außer den politisch Verantwortlichen auch andere gesellschaftliche
Gruppierungen mitarbeiten sollten. Solche Kommissionen gäbe
es bereits in anderen Bundesländern.
Jeske-Wilzek
appeliert an Besucher
Die anschließenden
Fragen und Kommentare aus dem Publikum zeigten die große Betroffenheit
der Zuhörer und deren Unverständnis über die unmenschlichen
Konsequenzen der derzeitigen Asylpolitik. Die Zweitkandidatin der
Grünen im Wahlkreis Biberach für die Landtagswahl und
ehemalige Bad Schussenrieder UL-Stadträtin Beate Jeske-Wilzek
appellierte zum Schluss an alle Besucher, diese Betroffenheit auch
an die politisch Verantwortlichen weiterzugeben.
|