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Initiative
Südbahn
Bad Schussenried
Hurra,
der InterRegio ist weg!
oder
Bad Schussenried hat wieder einen Stundentakt
Die Schwäbische
Zeitung hat in ihrer Ausgabe vom 11. Januar 2001 gemeldet, daß
die Deutsche Bahn vom kommenden Fahrplanwechsel an (10.6.2001) den
heiß umkämpften InterRegio auf der Südbahn durch
einen RegionalExpress ersetzen will. Statt wie bisher der InterRegio
von Lindau nach Stuttgart und Karlsruhe, soll der RegionalExpress
allerdings nur noch zwischen Friedrichshafen und Ulm verkehren.
Dafür aber, und das ist der Grund für den Jubel, hält
der RegionalExpress wieder wie früher in Bad Schussenried und
Laupheim!
Zur
Erinnerung
Bis zur
Einführung des InterRegio hatten wir in Bad Schussenried einen
minutengenauen Eilzug- (RegionalExpress-) Stundentakt von 6.00 Uhr
morgens bis kurz nach Mitternacht. Dies sowohl in Richtung Ulm,
als auch in Richtung Friedrichshafen. Mit der Einführung des
InterRegio ist dieser Stundentakt in Richtung Ulm zwar mehr oder
weniger erhalten geblieben, in der Gegenrichtung wurde er jedoch
durchbrochen.
Da der
InterRegio im Gegensatz zum RegionalExpress in Bad Schussenried
(mit einer Ausnahme) nicht hält, ging´s seither Richtung
Ravensburg und Friedrichshafen nur noch jede zweite Stunde umstiegsfrei.
Mag der InterRegio wegen seiner Direktverbindung nach Stuttgart
für die Städte Ravensburg und Biberach ein Vorteil gewesen
sein, Bad Schussenried war der Verlierer.
Die
Chance für Bad Schussenried
Die angekündigte
Streichung des InterRegio war nun die Chance für Bad Schussenried,
den verlorenen Stundentakt wieder zurückzugewinnen. Dies hat
die Initiative Südbahn , ein Zusammenschluß Schussenrieder
Berufspendler, frühzeitig erkannt. Sie hat in diversen Publikationen,
u.a. auf der SWR-Diskussion im Bahnhof Biberach am 9.11.2000 und
der Bürgerversammlung in Bad Schussenried am 27.11.2000, folgenden
Forderungskatalog für die Verbesserung des Verkehrsangebots
auf der Südbahn gestellt:
1. Ein
RegionalExpress-System (oder vergleichbares privates Bahnsystem)
mit Stundentakt und Systemhalten in Friedrichshafen, Meckenbeuren,
Ravensburg, Aulendorf, Bad Schussenried, Biberach, Laupheim und
Erbach,
2. den
Lückenschluß im Regionalbahnverkehr zwischen Aulendorf
und Biberach, d.h. eine Verknüpfung der Bodensee-Oberschwaben-Bahn
(BOB), die derzeit in Aulendorf endet, mit der Regionalbahn Biberach
Ulm für den Nahverkehr und
3. ausreichende
Übergangszeiten in Ulm (mindestens 10 min), da man seit der
Privatisierung und Regionalisierung der Bahn immer häufiger
in Ulm seinen Anschluß verpaßt.
Sollte
der InterRegio tatsächlich wie angekündigt durch einen
RegionalExpress ersetzt werden, wäre der wichtigste Punkt der
Forderungen der Initiative Südbahn erfüllt. Bad Schussenried
hätte seinen Stundentakt wieder und wäre dieses Mal der
Gewinner, zusammen mit Laupheim.
Mit
diesem Kompromiß können alle leben
Muß
sich Bad Schussenried ob seiner Freude über den zurückgewonnen
Stundentakt nun den Vorwurf der Kirchturmspolitik gefallen lassen?
Schließlich verlieren die bisherigen Nutznießer des
InterRegio, die Städte Friedrichshafen, Ravensburg, Aulendorf
und Biberach ihre schnelle, umstiegsfreie Direktverbindung
Richtung Stuttgart. Wir meinen nein!
Nach
Angaben von Bahnbediensteten verlassen in Ulm 75% der Fahrgäste
den InterRegio. Sie sind entweder am Ziel oder steigen in den IC
oder ICE Richtung Frankfurt, Köln und München um. Dazu
verkehrt der InterRegio nur im 2-Stundentakt und den morgendlichen
und abendlichen Berufs- und Fernreiseverkehr hat er auch nie bedient.
Der InterRegio war und ist also gar nicht der Fernverkehrsträger
Oberschwabens, zu dem er in letzter Zeit hochstilisiert wurde. Nicht
umsonst haben ihm die Fahrgäste gefehlt.
Auch
wird der RegionalExpress nicht die vielfach befürchtete Bimmelbahn
werden. Die Fahrzeit von Friedrichshafen nach Ulm beträgt im
InterRegio zur Zeit 75 Minuten, im RegionalExpress dagegen nur 73
Minuten. Der RegionalExpress ist also schneller, obwohl er öfter
hält. Dafür bedient der RegionalExpress die großen
und kleinen Anliegergemeinden der Südbahn gleichermaßen.
Wir meinen, ein für beide Seiten akzeptabler Kompromiß.
Es
gibt noch viel zu tun
Ist nun
mit dieser Entscheidung der Kampf um die Südbahn ausgestanden?
Sicher nicht! Erstens gilt es genauestens darüber zu wachen,
daß die jetzt gefundene RegionalExpress-Lösung nicht
doch noch in letzter Minute von irgendwelchen InterRegio-Befürwortern
gekippt wird. Seit sich Bürgermeister Beetz die, gegen die
Interessen von Bad Schussenried gerichtete, großflächige
InterRegio-Reklame mitten auf den Schussenrieder Marktplatz hinstellen
ließ, sind Zweifel an dessen Standfestigkeit angebracht, wenn
es darum geht, die Interessen von Bad Schussenried gegenüber
den bisherigen InterRegio-Nutznießern durchzusetzen.
Zweitens
ist mit der RegionalExpress-Entscheidung die Anschlußproblematik
in Ulm immer noch ungelöst. Die Übergangszeiten vom Nah-
auf den Fernverkehr betragen in Ulm oft nur fünf Minuten. Dies
ist bereits ohne Verspätung knapp und nur von Einzelreisenden
im Laufschritt machbar. Kommt die geringste Verspätung hinzu,
ist der Anschluß weg. Fahrgäste mit Gepäck, Familien
mit Kindern, Ältere oder Behinderte passen ohnehin nicht in
dieses Konzept. Bislang hat die Deutsche Bahn das Problem der Übergangszeiten
in Ulm schlichtweg bestritten. Im jüngsten Schreiben an die
Initiative Südbahn vom 27.11.2000 hat sie sich jedoch das erste
mal bewegt und eine Abhilfe in Aussicht gestellt, allerdings mit
der Einschränkung, sofern sich dies fahrplantechnisch realisieren
läßt.
Schließlich
steht als drittes immer noch der Lückenschluß im Regionalbahnverkehr
zwischen Aulendorf und Biberach aus. Die durchgängige Regionalbahn
von Ulm nach Aulendorf ist zwar geplant, jedoch auf die dritte und
letzte Stufe des Ausbaukonzepts geschoben. Derzeit ist mit der Regionalbahn
Ulm Biberach die erste Stufe des Regionalbahnkonzepts in
Betrieb, die zweite soll mit der Bedienung von Laupheim-Stadt über
die sogenannte Laupheimer Kurve folgen. Der Bedienungstandard der
Fläche, den die Kreise Friedrichshafen und Ravensburg mit der
BOB bereits seit Jahren mit immer steigenderen Fahrgastzahlen bieten,
steht in unserem Bereich also noch in weiter Ferne.
Manfred
Blumenschein
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