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Rede
zum städt. Haushaltsplan 2004
Nachfolgend
können Sie die am 29. Januar 2004 im Rahmen der Gemeinderatssitzung
gehaltene Haushaltsrede der UL-Fraktion nachlesen. Es gilt natürlich
das gesprochene Wort:
Herr
BM Beetz, meine Damen und Herren von der Verwaltung, sehr geehrte
Zuhörerinnen und Zuhörer
Die Stadt
steckt in einer tiefen Finanzkrise.
Der HH-Planentwurf bietet keinen Anlass zur Freude.
Es ist wohl der schwierigste HH der vergangenen Jahre.
Wäre die Stadt ein Unternehmen, so wären wir pleite.
Wir leben von der Substanz. Wir haben keine Rücklagen mehr.
Freiwilligkeitsleistungen müssen gekürzt und bestehende
Strukturen verändert werden.
Herr
BM Beetz, meine Damen und Herrn GR, dies ist eine Zusammenfassung
der Feststellungen der Verwaltung und der GR-Fraktionen zur Einbringung
des HH 2003 im Januar 2003, nicht heute, sondern von vor einem Jahr.
Um die
laufend anfallenden Ausgaben im Jahr 2003 finanzieren zu können,
hat die Stadt Bad Schussenried auf Geld zurückgegriffen, das
eigentlich für Investitionen vorgesehen war. Das dominierende
Merkmal des HH 2003 war die negative Zuführungsrate von 1,6
Mio. Euro.
Und was
hat sich seitdem verändert?
Dieses
Jahr - das "Sparbuch der Stadt" ist leer geräumt,
ein Rückgriff auf Rücklagen nicht möglich. Im Verwaltungs-HH
2004 klafft ein Finanzloch von 2 Mio. Euro - das ist über 20ig
Prozent der Ausgaben für den Lebensunterhalt der Stadt. Die
Stadt muss einen Teil ihrer Unterhaltskosten über Kredite finanzieren,
verbunden mit den dazugehörenden Zinsen. Es ist also nicht
nur so, dass die Stadt keine Investitionen mehr tätigen kann,
sondern vielmehr, dass sie teilweise die Aufwendungen für den
Unterhalt unsere Kindergärten und Schulen, die Unterhaltsmaßnahmen
für Straßen und Gebäude und die alltäglichen
Aufwendungen für die Verwaltung aus eigener Kraft nicht mehr
finanzieren kann.
Was sind
die Ursachen für die weitere Verschlechterung der Finanzsituation?
Sicher, Steuerreform, allgemeine Wirtschaftslage mit geringerem
Steueraufkommen, Erhöhung der Kreisumlage haben ihren Anteil
an der Finanzmisere der Stadt. Ohne Zweifel. Aber diese äußerlichen
Rahmenbedingungen haben auch andere Städte zu spüren bekommen.
Doch diese haben sich, wie man aus deren HH-Debatten entnehmen kann,
wesentlich schneller erholt. Ein Phänomen, das wir auch schon
in der Kurkrise, verursacht durch die Gesundheitsreform in den 90iger
Jahren, beobachten konnten.
Lösungsstrategien
werden vermisst
Herr
Beetz, fast auf den Tag genau vor einem Jahr, haben Sie in diesem
Gremium gesagt: "Nun gilt es, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.
Jammern nützt nichts, da müssen wir durch. Wir werden
es schaffen."
Herr BM: "Welche Lösungsstrategien hat die Verwaltung
dem GR vorgeschlagen und umgesetzt?"
In erster
Linie wurde an der Einnahmenschraube gedreht. Der GR hat das Anpassen
und Ausschöpfen der Gebühren und Steuern entsprechend
der Forderung der Rechtsaufsichtsbehörde schweren Herzens mitgetragen.
Maßnahmen, die den Bürger schmerzlich treffen. Für
das Jahr 2004 ist diese Einnahmenschraube am Anschlag. Dem Bürger
können wir nicht noch tiefer in die Tasche greifen. Er wird
schon von der Gesundheits- und Rentenreform gebeutelt. Es bleibt
nur die Ausgabenseite.
Ergänzend
dazu hat der GR das vom Stadtkämmerer, Herrn Dieterich, im
Sommer vorgelegte HHKK beschlossen. Dieses HHKK wurde von der Verwaltung
nur zum Teil umgesetzt. Umgesetzt wurden die Einsparungen bei den
Sachmitteln, beim Winterdienst, bei der Straßenbeleuchtung
und die Schulen mussten mit einem kleineren Etat zurechtkommen.
"Bestehende
Strukturen müssen verändert werden"
"Bestehende
Strukturen müssen verändert werden" Herr Beetz, ihre
Worte von vor einem Jahr. Die UL stimmt ihnen 100-prozentig zu und
ohne für die übrigen Fraktionen sprechen zu wollen, es
gibt hier in diesem Gremium keinen GR, der ihnen in diesem Punkt
widersprechen wird. Aber das Drehen an der Einnahmenschraube und
die Einsparungen im Verwaltungshaushalt stellen noch keine Strukturveränderung
dar.
Welches
strukturverändernde Konzept hat die Verwaltung dem GR 2003
vorgelegt? Wo sind die Ansätze für strukturverändernde
Konzepte im HH 2004?
Die Verwaltung verfügt über entsprechendes Rüstzeug
für strukturverändernde Konzepte. Diese Werkzeuge verstauben
jedoch in den Schubladen.
Das Gutachten
zur Umstrukturierung der Verwaltung und Steigerung der Effizienz
und damit das Aufzeigen des Einsparpotenzials wurde beauftragt,
bezahlt, gelesen - "Fragezeichen" - und ganz tief in der
Schublade abgelegt. Bestehende Strukturen müssen verändert
werden - Herr BM. Kein einziger Punkt aus dem Organisationsgutachten
wurde je von der Verwaltung aufgegriffen, geschweige denn umgesetzt.
Die Klausurtagung
zur Verbesserung der Zusammenarbeit, von der Verwaltung und vom
GR befürwortet, wurde nicht aufgearbeitet. Eine bezahlte Abschlussbesprechung
nicht einmal mehr abgerufen. Beauftragt, bezahlt und die erarbeiteten
Erkenntnisse für Strukturveränderungen nicht genutzt.
Das Frostkonzept zur Tourismusentwicklung beauftragt, bezahlt und
tief in einer Schublade vergraben.
Das Verkehrsgutachten
beauftragt, bezahlt und .... Die Potenzialanalyse für die Kurkliniken
wurde im Mai zum ersten Mal gefordert, ist im Dezember vorgestellt
worden und wurde erst letzte Woche nach mehrmaligem Anmahnen allen
Gemeinderäten zugestellt. Beauftragt, bezahlt, ....Wir müssen
aufpassen, dass auch dieses Gutachten nicht verstaubt.
Nur
schöne Erinnerung an die Landesausstellung?
Als uns
das Geschenk "Große Landesausstellung" in den Schoß
fiel, waren sich Verwaltung und GR einig, dass man diese Chance,
diese einmalige Chance, nutzen muss. Aus den Erfahrungen mit der
Landesausstellung und dem Begleitprogramm sollte sich nachhaltig
ein modernes Stadtmarketing entwickeln. Trotz angespannter Finanzlage
wurde mit Herrn Baur als Projektmanager einen Experten nach Bad
Schussenried geholt. Vorrangig zur Entlastung der Verwaltung. Gremien
wurden gebildet und ein Begleitprogramm auf die Beine gestellt,
damit sich Bad Schussenried als würdiger Gastgeber präsentieren
kann. Die Landesausstellung hat alle Erwartungen weit übertroffen
und mit dem Rahmenprogramm für eine große Belebung unserer
Stadt gesorgt. Die Vereine, die von der Projektleitung in die Abwicklung
der Landesausstellung mit einbezogen waren und die Gastronomie haben
von dieser Belebung profitiert. An dieser Stelle nochmals den Dank
an Herrn Baur. LA und Rahmenprogramm wurde erfolgreich durchgeführt.
Bleiben
werden uns wohl nur schöne Erinnerungen an die Zeit der LA.
Es liegt noch keine endgültige Schlussrechnung vor, ein abschließendes
Gespräch steht ebenfalls noch aus. Ohne Ergebnisanalyse gehen
wertvolle Erkenntnisse für ein zukünftiges Stadtmarketing
verloren. Es ist der Verwaltung nicht gelungen, den Erfahrungsschatz
eines Herrn Baur an Bad Schussenried zu binden. Inwieweit verkrustete
Strukturen und atmosphärisches Störfeuer aus den Reihen
des GR mitverantwortlich sind, dass heute Bad Buchau von den Erfahrungen
des Herrn Baur profitiert, kann nur er selbst beantworten. Die Stadt
Bad Schussenried hat sich nicht bemüht. Ein fragwürdiges
Gespräch aller Beteiligten in der Mittagspause, eher ein Zeichen
der Hilflosigkeit, der Kapitulation, als ein erster Schritt hin
zur Strukturveränderung.
Kurverwaltung
muss verlegt werden
Zwei
der größten Brocken im Haushalt stellen Kurverwaltung
und Kurbetriebe dar.
"Bestehende Strukturen müssen verändert werden",
um beim Stichwort zu bleiben.
Der GR
hat der Unterbringung und dem Verbleib der Kurverwaltung für
die Zeit über die LA im ehemaligen Pförtnergebäude
zugestimmt. Für die Zeit nach der LA hat die UL - und die übrigen
Fraktionen ebenfalls - eine Klärung der zukünftigen Unterbringung
bzw. Rückführung ins Rathaus gefordert. Sie, Herr BM,
hätten es in der Hand gehabt, dem GR ein entsprechendes Konzept
zur Neustrukturierung der Kurverwaltung vorzulegen. Im Gegenteil.
Da wird der GR nicht offen darüber informiert, zu welchen Konditionen
die Mietverlängerung abgeschlossen wurde, wie lange der Mietvertrag
noch läuft und zu welchen Konditionen der Mietvertrag gekündigt
werden kann.
Trotz
mehrmaliger Aufforderungen und Ihrer Zusage, Herr Beetz, liegt uns
bis heute keine genaue Auflistung der Kostenüberschreitungen
aus dem Jahr 2002 vor. Das haben wir noch nicht vergessen. Es wird
keine Aufgabenanalyse durchgeführt, die Effizienz der Werbeausgaben
wird nicht hinterfragt, und vieles mehr bleibt unterlassen. Man
schaut tatenlos zu, wie Jahr für Jahr ein enormer Werbeetat
verbraten wird, ohne dessen Wirksamkeit zu hinterfragen. Jeder Werbeeuro,
der wirkungslos bleibt, ist ein Euro zu viel. Herr BM, wir wissen
nicht wie gut oder wie schlecht wir mit dem in die Jahre gekommenen
Konzept unserer Kurverwaltung aufgestellt sind. Es kann ja sein,
dass die Kurverwaltung alles richtig macht, dass sie das Geld sinnvoll
einsetzt und ausgibt, aber dieser Beweis muss endlich geführt
werden. Hier ist dringlichster Handlungsbedarf. Zahlen müssen
auf den Tisch und wenn notwendig, muss man sich Hilfe von außen
holen, um bei der Neustrukturierung der Kurverwaltung, abgestimmt
auf das notwendige Bedürfnis für unsere Stadt, aus Betriebsblindheit
nicht wieder die alten Fehler zu wiederholen.
Herr
Beetz wir nehmen Sie beim Wort: "Freiwilligkeitsleistungen
müssen gekürzt und bestehende Strukturen verändert
werden." Und gerade in der Kurverwaltung versteckt sich ein
ganzes Bündel von Freiwilligkeitsleistungen.
Auf der
einen Seite schalten wir den Bürgern um 24 Uhr die Straßenbeleuchtung
ab, kündigen das Anrufsammeltaxi auf, und schneiden damit die
Kurstadt ab 19 Uhr vom öffentlichen Nahverkehr ab, streichen
den Teilorten das Budget gänzlich und zerstören damit
gewachsene Strukturen, die zu einem späteren Zeitpunkt nicht
mehr wiederbelebt werden können und auf der anderen Seite stehen
seit dem Auszug des Notariats im Rathaus Räume leer und wir
zahlen viel Miete ans ZfP. Es kann nicht sein, dass nun zwar der
Trägerzuschuss für die Kurverwaltung auf 200.000 Euro
begrenzt ist, uns aber die genaue Verwendung der Mittel durch den
budgetierten HH nicht aufgezeigt wird.
Bis die
Unterbringungsfrage nicht geklärt ist, kein schlüssiges
Konzept zur Neustrukturierung der Kurverwaltung dem GR vorliegt
und der HH eine Kostentransparenz aufzeigt, sprechen wir uns für
eine Haushaltssperre bei der KV aus. Und wir werden dranbleiben,
Herr BM, wir werden den Verschlingungsknoten der bewirtschaftenden
Stellen 300 und 800 durchschlagen. Hier sind auch die übrigen
Fraktionen gefragt.
Freiwilligkeitsleistungen
müssen gekürzt werden. Da hilft kein Jammern. Da müssen
wir durch. Wir werden es schaffen. Ihre Worte, Herr Beetz und wir
werden sie beim Wort nehmen.
Kurbetriebe:
Dringende Behandlung im Gemeinderat
Die Kurbetriebe
gehören zu unserer Stadt, und wir stehen zu ihnen. Solange
der operative Betrieb wie bisher nicht bezuschusst werden muss,
würde bei einer Schließung der Schuldendienst endgültig
und unwiderruflich beim städtischen HH verbleiben. Seit kurzem
liegen uns nun Gutachten vor. Das Gespräch mit Herrn Greil
von der Managementgesellschaft steht immer noch aus. Die Analyse
der Gutachten und das Gespräch mit Herrn Greil müssen
dringend im Gemeinderat behandelt werden, und zwar noch in diesem
Quartal. Eine weitere Verzögerung können wir uns nicht
leisten. Der Gemeinderat muss sich in dieser angespannten Situation
zu einer Sondersitzung treffen und Überstunden leisten. Wir
stehen in der Verantwortung unseren Bürgern gegenüber.
Was liegen
in nächster Zeit sonst noch für wichtige Aufgaben vor
uns?
Trotz der finanziellen Lage wird geplant, die Sanierung der Schulen
zu beginnen. Durch eine mögliche Förderung des Programms
für Ganztagesschulen kann eine 90%ige Förderung erreicht
werden. Wir hoffen, dass uns die Kommunalaufsicht die Finanzierung
der fehlenden 10 Prozent - die wir nur durch eine zusätzliche
Kreditaufnahme erreichen können - genehmigt. Dafür gilt
es, das HHKK in vollem Umfang umzusetzen. Die Ganztagesbetreuung
an Schulen ist heut zutage unverzichtbar. Es geht hier nicht nur
um eine Verbesserung der schulischen Leistungen unserer Kinder und
Jugendlichen durch gezielte Förderung, sondern es kann damit
zukünftigen Fehlentwicklungen und Schwierigkeiten besonders
bei sozial benachteiligten Schülern vorgebeugt werden. Eine
Zukunftsaufgabe unserer Gemeinwesen, ein wichtiger Standortfaktor
und somit eine Pflichtaufgabe unserer Stadt.
Immobilienkonzept
überfällig
Schon
im HH 2003 hat der Kämmerer ein Nutzungskonzept für städtische
Immobilien eingefordert. Laut Aussage der Schussenrieder Banken,
sind der Wert aller Wohnungen, Häuser und Grundstücke
in Bad Schussenried um bis zu 20 Prozent gesunken. Mitverantwortlich
hierfür ist auch die Politik der Stadt, weil kein preiswertes
Baugelände ausgewiesen wird und somit auch keine Nachfrage
durch junge Familien entsteht. Was ist mit diesem Nutzungskonzept?
In Bad Schussenried wird vieles begonnen, man kommt aber nirgends
weiter: Stichwort Baugebiet, Gewerbegebiet, Flächennutzungsplan,
wohin man schaut, nur Planungskosten und Stillstand, man bekommt
nie etwas zu Ende. Vollmundige Sprüche und der Schuldenberg
wächst.
Beschäftigen
müssen wir uns auch mit der Frage, wie freiwillige Leistungen
durch die Mithilfe und dem Engagement von Bürgern erbracht
werden können. Ansätze und Beispiele gibt es. Die Bürger
nehmen die Sache in die eigene Hand. Beispiel Bahnhof, durch das
Engagement des Handels und Gewerbevereins unterstützt durch
Fraktionen des GR konnte der Bahnhof renoviert und offen gehalten
werden. Durch das bürgerliche Engagement einer Gruppe von Bürgern
wurde im letzten Jahr eine Verbesserung im Zellerseebad erreichte.
Auf Privatinitiative konnte eine sehenswerte Ausstellung in der
Alten Schmiede in Steinhausen begleitend zur LA durchgeführt
werden. In den Ortsteilen geschieht eine Menge durch das bürgerliche
Engagement, auch und besonders zu erwähnen durch das Engagement
Jugendlicher. Im Ortsteil Reichenbach setzen sich Bürger in
ihrer Freizeit für Ihr DGH ein, um so hoffentlich zumindest
eine teilweise Nutzung zu ermöglichen. Es ist zu hoffen, dass
diese Beispiele auch in anderen Bereichen Nachahmung finden und
gemeinsam Verbesserungen erreicht werden können. Wenn's die
Stadt nicht richten kann, dann müssen wir auf das bürgerliche
Engagement setzen.
In den
Erläuterungen zum HH schreibt uns der Kämmerer, dass noch
nicht alle Einsparmöglichkeiten aufgezeigt und umgesetzt sind.
Trotzdem ist eine Kreditaufnahme vorgesehen, die zumindest noch
verringert werden könnte. Erst wenn uns in den Ausschüssen
die Einsparmöglichkeiten aufgezeigt sind und diese beraten
wurden, kann man dem HH zustimmen.
Anträge
der UL-Fraktion zum Haushaltsentwurf 2004 
Rede zur Verabschidung des Haushaltes
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