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Rede
zum städt. Haushaltsplan 2002
Nachfolgend
können Sie die am 16. Januar 2003 im Rahmen der Gemeinderatssitzung
gehaltene Haushaltsrede der UL-Fraktion nachlesen. Es gilt natürlich
das gesprochene Wort:
Hans
Steyer:
Sehr
geehrter BM Beetz, sehr geehrte Damen und Herren von der Verwaltung,
sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer, meine Damen und
Herren Gemeinderäte.
Der heutige
Sitzungstermin ist noch so früh im jungen Jahr 2003, dass man
sicherlich allen hier Anwesenden noch ein gutes und glückliches
Neues Jahr wünschen kann.
An dieser
Stelle ein Dankeschön an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der Stadt Bad Schussenried, einschließlich den Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern in den Kurbetrieben für das Geleistete im
Jahr 2002. Ein Dankeschön im Namen der UL-Fraktion und für
Bad Schussenried ein "Glück auf" im Jahr 2003.
Herr
Dieterich hat der Öffentlichkeit und dem GR mit dem Haushaltsplan
2003 ein umfassendes Zahlenwerk vorgelegt. Nicht nur der frühe
Auslegungszeitpunkt ist einmalig, sondern auch sein Inhalt. Gegenüber,
im großen Saal der Stadthalle - die Betonung liegt auf gegenüber
- wird heute Abend der Film "Harry Porter und die Kammer des
Schreckens" vorgestellt. Nomen est omen?
Erstmals
in der Geschichte der Stadt Bad Schussenried muss ein Minus von
1,65 Mio. Euro im Verwaltungshaushalt durch entsprechende Entnahmen
aus dem Vermögenshaushalt ausgeglichen werden. Eine neg. Zuführungsrate
zum Verwaltungshaushalt in dieser Höhe ist bisher in keinem
Haushalt der Stadt Bad Schussenried zu verzeichnen. Und dies wird
sich in den nächsten Jahren fortsetzen, es ist weiter mit neg.
Zuführungsraten zu rechnen.
Von rd.
4,1 Mio. Euro Ende 2000 sind die Rücklagen bis Ende 2003 auf
674.000 Euro zusammengeschrumpft. Zieht man die Mindestrücklage
und die Stiftung Blersch ab, verbleiben als Rücklage 5.500
Euro - also ein "Nichts" an Rücklagen.
Der ungebrochene Wille zur Cofinanzierung teurer Prestigeobjekte
und Planungskosten für nicht realisierbare Fehlplanungen in
den zurückliegenden Jahren trugen ihren Anteil dazu bei.
Nach
wie vor sind wir der Überzeugung, dass manche Warnung von uns,
wäre sie nicht in den Wind geschlagen worden, die jetzige Gesamtsituation
etwas weniger prekär gestaltet hätte. Wir möchten
nur an unsere HH-Rede aus dem letzten Jahr erinnern und an die Begründung
unserer Ablehnung des Haushaltsplans vom letzten Jahr.
Die UL
will ihren Blick dennoch nach vorne richten, auf zukünftige,
verbleibende Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt Bad Schussenried.
Wir wollen mit dem vorgelegten Zahlenwerk für 2003 und die
folgenden Jahre verantwortungsvoll umgehen, bildet es doch die Grundlage
für die weitere Entwicklung der Stadt Bad Schussenried. Wir
müssen uns der Tatsache stellen und mit verminderten Einnahmen
die stetige Erfüllung im Pflichtaufgabenbereich gewährleisten
und darüber hinaus ein Optimum an freiwilligen Leistungen heraus
holen.
Die UL-Fraktion wird heute eine neue Art der Haushaltsrede halten
und wir werden gemeinsam unsere Meinungen und Wertungen des Haushalts
vortragen.
Beginnen
wird unsere Expertin im Reha- und Gesundheitsbereich Hansi Schmehle
Knöpfler:
In den
letzten 5 Jahren hat Bad Schussenried mit seinen Reha-Kliniken eine
in hohem Maße krisenhafte und schwierige Entwicklung durchgemacht.
Das Bemühen aller in diesen Jahren war es, die Kliniken zu
erhalten. Wir haben kontrovers diskutiert, verschiedenste Konzepte
entwickelt und uns schließlich entschlossen, den Betrieb der
Kliniken in eine GmbH überzuführen. Die Klinikgebäude
selbst blieben bei der Stadt - auch die Schulden - 1998 - 14,75
Mio. Euro. (Tragisch ist, dass ca. die Hälfte dieser Schulden
aus Verlusten resultiert welche die Kliniken im Rahmen der Kurkrise
erwirtschaftet haben.) Die Vermögensverwaltung der städtischen
Kurbetriebe verschlingt jährlich 1.3 Mio. Euro. Diese Kosten
sollen durch Pachtzahlung der Gesundheits-GmbH an die Stadt beglichen
werden. In den Jahren 2000 und 2001 hat die GmbH gute Ergebnisse
erzielt. Durch erhöhte Pachtzahlungen konnte der Eigenbetrieb
seine Schulden sogar auf ca. 12 Mio. Euro reduzieren.
Bereits
im letzten Jahr sind jedoch die Belegungszahlen der Klinik deutlich
gesunken. Die erwarteten Pachtzahlungen konnten nicht erwirtschaftet
werden. Auf Grund der unsicheren Situation im Reha- und Gesundheitswesen,
aber auch aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit, ist nicht vorhersehbar,
wie das Jahr 2003 verlaufen wird. Die Höhe der Pachteinnahmen
kann nicht kalkuliert werden. Sicher ist jedoch, dass die zu erwartenden
Pachtzahlungen niedriger ausfallen werden, eventuell sogar weitgehend
ausfallen. Es ist Aufgabe des Gemeinderates und der Verwaltung sich
mit dieser Problematik auseinander zu setzen. Folgendes muss berücksichtigt
werden:
- Die
Kliniken sind mit ca. 160 Mitarbeitern einer der größten
Arbeitgeber unserer Stadt und stellen einen wichtigen Wirtschaftsfaktor
dar.
- Unsere
Stadt ist ein Kurort ! Was sind wir ohne Kliniken - ohne den Titel
"Bad"?
Geben
wir den Klinikbetrieb auf, so bleiben Zins und Tilgung und die Altschulden
der Kurbetriebe an der Stadt hängen. Wie könnte ein Entschuldungskonzept
dann aussehen?
Andererseits
kann es sein, dass die Kliniken zukünftig nicht in der Lage
sind, ausreichend Pacht zu erwirtschaften. Die Schulden des Eigenbetriebes
Kurbetriebe wachsen weiter. Unter Berücksichtigung der schwierigen
Haushaltslage im städtischen Haushalt müssen dann Kredite
aufgenommen werden. Es stellt sich nun die Frage: Ist die Stadt
bereit - und sehen wir es für sinnvoll an, unsere Kliniken
zu unterstützen?
Welche
Möglichkeiten haben wir in unserer finanziell schwierigen Lage?
Zurzeit findet unter den Kliniken ein Verdrängungswettbewerb
statt. Die Frage ist: Wer hält lange genug durch? Kliniken,
welche durch Gemeinden, Banken etc. unterstützt werden, haben
den längeren Atem und somit bessere Überlebenschancen.
Allerdings ist ein Stützen um jeden Preis nicht vertretbar.
Es müssen realistische Erfolgsaussichten gegeben sein. Wir
wissen, dass der klassische Orthopädiebereich besonders schlechte
Belegungszahlen aufweist.
Deshalb
auch haben wir in beiden Häusern neue Behandlungskonzepte entwickelt,
welche der BfA bereits zur Prüfung vorliegen. Durch Kooperation
mit dem Biberacher-Gesundheitsnetz erwarten wir bessere Belegungsmöglichkeiten.
Mittelfristig wird im Rahmen der Gesundheits- und Krankenhausreform
eine engere Kooperation mit den Krankenhäusern notwendig. Wir
haben die entsprechenden Konzepte entwickelt und sind im Gespräch.
Allerdings sind dies Maßnahmen, welche nicht kurzfristig greifen.
Des Weiteren kommen zusätzliche Kosten auf uns zu.
Um im
Wettbewerb zu bestehen und den Anforderungen von Kassen und Rehaträgern
zu genügen, muss investiert werden. Derzeit werden nur die
notwendigsten Investitionen getätigt, da die finanziellen Mittel
fehlen. Auch bei guter Belegung können bei voller Pachtzahlung
größere Investitionen kaum erwirtschaftet werden. Wir
müssen den Spagat machen zwischen - Schuldenabbau und Erhalt
der Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe. Es wäre furchtbar,
wenn wir erfolgversprechende, zukunftsfähige Konzepte für
die Kliniken entwickeln würden - dies aber nicht umgesetzt
werden könnten, weil im städtischen Haushalt keine Finanzierungsreseven
geschaffen werden könnten.
Auch die "Kliniken" brauchen Klarheit darüber, ob
und in welchem Rahmen und in welcher Höhe sie auf finanzielle
Unterstützung durch die Stadt rechnen können.
Die Gemeinde
muss wissen, was auf den städtischen Hauhalt zukommt.
Für den Gemeinderat stellt sich die Frage: Wie weit und wie
lange können wir unsere Kliniken stützen? Diese Entscheidungen
können nicht auf Glaubensbekenntnissen beruhen. Wir brauchen
Zahlen und Fakten. Deshalb stellen wir nachfolgende Anträge:
Der Kämmerer
stellt folgende Berechnungen auf:
1. Wie
hoch verschuldet sich der Eigenbetrieb der Kurbetriebe bis zum 31.12.04,
wenn:
- die
Kliniken nur den Schuldzins erwirtschaften,
- weder
Zins noch Tilgung erwirtschaftet werden,
- die
Gebäude leer stehen, Unterhalt anfällt und Abfindungen
bezahlt werden müssen,
- Möglichkeiten
des Verkaufs werden eruiert.
2. Wie
lange wird diese indirekte Subventionierung der Gesundheits-GmbH
vom Landratsamt geduldet und welcher Höhe? Der Bürgermeister,
der Kämmerer und der Geschäftsführer werden beauftragt
bis Ende März 2003 ein Gespräch mit der Kommunalaufsicht
zu führen und diese Fragen zu klären. Sie müssen
dort diese Investitionen mit Nachdruck als die Zukunft Bad Schussenrieds
sichernde vertreten.
3. a)
Die Ergebnisse des Gesprächs mit dem Landratsamt werden im
GR beraten.
b) Der GR legt einen Finanzierungsrahmen für den Weiterbetrieb
fest.
4. a)
Auf Grund der schwierigen Finanzlage wird mit der AGP über
eine weitere Reduzierung der Geschäftsführungsvergütung
verhandelt.
b)
Die AGP erarbeitet eine ausführliche Stellungnahme über
die Zukunftsfähigkeit der Kliniken. Möglichkeiten zur
Einführung neuer Behandlungs- und Belegungskonzepte werden
vorgelegt und kritisch geprüft.
5. Der
Gemeinderat wird monatlich vom Aufsichtsratsvorsitzenden - Herrn
BM Beetz - über die Belegungszahlen, Aktenlage, die finanzielle
Situation sowie wichtige Änderungen in der GmbH informiert.
6. Wichtige
Neuerungen werden sofort mitgeteilt (Sondersitzung).
Abschließend
ist zu sagen, dass wir selbstverständlich davon ausgehen, dass
die GmbH weiterhin bemüht, ist bestmögliche Ergebnisse
zu erzielen. Die Entscheidung aber zu treffen, ob und unter welchen
finanziellen Bedingungen die Kliniken geschlossen bzw. weitergeführt
werden können, ist Aufgabe des Gemeinderats und nicht der GmbH.
Zur Landesausstellung 2003 und Dorfgemeinschaftshaus Reichenbach
(Wolfgang Dangel)
Sie haben
das Bekenntnis der UL zu den Kliniken gehört. Wie ein Damoklesschwert
schwebt die unsichere Zukunft der Kliniken über unserem Haushalt.
Doch
lassen wir uns davon nicht lähmen und untätig werden,
denn eine große Aufgabe steht vor uns - die Landesausstellung
2003 in Bad Schussenried. Wir müssen diese Ausstellung nützen,
um in eine touristische Zukunft zu starten. Die Grundlagen sind
gelegt und ich denke, wir haben letzte Woche im Tourismus-Ausschuss
ein gutes Ergebnis gefunden.
Dank
an die Projektleitung, Herrn Bauer und Frau Schmidt für die
konstruktive Zusammenarbeit. Damit die Ausstellung ein Erfolg wird,
benötigen wir jedoch nicht nur Geld, sondern in besonderem
Maße die Zustimmung und die Mitarbeit unserer Bürger.
Jammern und schimpfen wir nicht, sondern engagieren uns für
das Wohl unserer Stadt.
Die Landesausstellung
endet am 5. Oktober und am 6. Oktober müssen wir unsere weitere
Tourismusarbeit auf neue Füße stellen. Wir müssen
die Kurverwaltung auflösen bzw. sie endlich in eine privatwirtschaftlich
geführte Touristik-GmbH überführen, in der wir auch
das durch die Landesausstellung gewonnene Know-how nutzen. Eine
Kurverwaltung im bisherigen Umfang und der bisherigen Arbeitsweise
können und wollen wir uns nicht mehr leisten. Die Touristik-GmbH
muss noch dieses Jahr gegründet werden. Anträge zur Finanzierung
werden wir in den Ausschüssen stellen. Dabei müssen wir
auch die Unterbringungsfrage neu diskutieren und endgültig
regeln.
Lassen
sie mich in diesem Zusammenhang einen anderen Punkt anschneiden.
Wir fordern immer eine effiziente Verwaltung. Dazu gehört auch
eine angemessene Unterbringung und Ausstattung. Herr Bürgermeister
Beetz, hier sind sie gefordert. Seit 2 Jahren stehen die ehemaligen
Notariatsräume im Rathaus leer, während die Kämmerei
und das Hauptamt wie Häsläus aufeinander hocken. Ergreifen
Sie endlich die Initiative!
Die Kliniken,
die Landesausstellung und die Kurverwaltung, das sind die drei Bereiche,
die unseren Haushalt in Beschlag nehmen. Investieren ist nicht vorgesehen.
Es geht nicht. Die UL sagt: Geht nicht, gibt's nicht. Deshalb wollen
wir dieses Jahr noch mit dem Umbau des Gasthauses Hirsch zum Dorfgemeinschaftshaus
in Reichenbach beginnen und die erforderlichen Mittel durch Umschichtung
aus dem Haushalt herausquetschen. Die UL hat im Jahre 2000 in ihrer
Haushaltsrede das Projekt aufgegriffen. Zwischenzeitlich steht das
Gasthaus Hirsch in unserer 30-jährigen Nutzung, wir bezahlen
die Pacht und die Zuschüsse für den Umbau sind bewilligt.
Wir stehen bei den Reichenbachern im Wort und auch bei uns selbst.
Wir sollten, können und müssen dieses Jahr mit dem Umbau
beginnen. Voraussetzung für einen Baubeginn ist für die
UL allerdings der Nachweis der Eigenleistungen der Reichenbacher
Vereine und ein Nutzungskonzept. Was für die Schussenrieder
für die Landesausstellung gilt, gilt auch für die Reichenbacher:
Bürgerschaftliches Engagement zeigen und sich für das
Dorf einsetzen. Dann können wir gemeinsam mit vereinten Kräften
an den Umbau des Dorfgemeinschaftshauses gehen.
Bereich
Jugend (Barbara Holly)
Wenn
man mit Jugendlichen in unserer Stadt zu tun hat, dann spürt
man oft Verdrossenheit, Desinteresse an politischen Fragen, Frust
und auch wenig Zutrauen zu den in ihrer Stadt Handelnden und ihre
Geschicke mit bestimmenden Erwachsenen. Häufig hört man
so Aussagen: "Wo soll man denn in Bad Schussenried hingehen"
oder "Hier ist doch nichts los". Das Juze scheint auch
nicht gerade befriedigend zu laufen, vor allem Neuzugänge findet
man dort im Moment keine. Und jeder von uns, der selber mit unseren
Jugendlichen zu tun hat weiß, dass sie, sobald eine Möglichkeit
besteht und sie einigermaßen das Alter haben, nach Biberach
oder Ravensburg oder auch Ulm fahren, um dort ihre Freizeit zu verbringen.
Dabei sind es doch unsere Kinder, denen wir irgendwann einmal die
Verantwortung in unserer Stadt übertragen wollen. Von denen
wir wünschen, dass ihre Bindungen an ihre Stadt ausreichen,
um sie dauerhaft hier zu verwurzeln, die wir hier halten wollen.
Von denen wir hoffen, dass sie in ein paar Jahren hier ihre Steuern
bezahlen, Familien gründen, vielleicht Häuslebauer werden
und sich im Martinsösch niederlassen.
Es kann
nicht sein, und das ist bestimmt auch nicht Aufgabe einer Kommune,
dass wir alle Konsumbedürfnisse der Kids bedienen, die sind
heute wirklich manchmal auch überzogen. Aber wenn man sich
die vergangenen Monate so anschaut, dann findet man schon eine Reihe
von Dingen, die wir in unserer Stadt mangels Masse in der Kasse
gerade auch im Jugendbereich nicht verwirklichen können. Vier
Beispiele:
- Das
Zellerseebad ist immer noch nicht ansprechender und interessanter
gestaltet.
- Die
Skaterbahn ist in ganz weite Ferne gerückt.
- Der
Bus zum Schützenfest - abgelehnt, zu teuer.
- Die
Landesausstellung geht ohne die nun notwendigerweise gestrichenen
Rahmenveranstaltungen
weitgehend an den Kindern und Jugendlichen vorbei.
Aber nicht nur das: Zwar wird die Realschule gerade um einen wirklich
tollen Anbau erweitert - hoffen wir das Beste und dass wir den Bau
zu Ende bringen - aber die Zuschüsse für den übrigen
Schulbedarf haben wir reduziert. Der Zustand der alten Schulgebäude
ist in weiten Teilen wirklich desolat. (Wobei es natürlich
durchaus auch sehr positive Aspekte hat, wenn die Kids ihre Klassenzimmer
selbst renovieren.)
Weitere
Punkte sind:
- Das
überaus wichtige Ganztagesbetreuungsangebot der Hauptschule
steht auf finanziell wackligen Beinen und erfordert von den Verantwortlichen
ein enormes, eigentlich den Rahmen sprengendes Engagement.
- Die
zweckgebundene Rücklage von rund 180.000 Euro für die
Jugend verschwindet im großen Haushaltsloch - das soll kein
Vorwurf sein, die Lage erfordert es - es ist aber dennoch ein
weiteres negatives Signal.
Keine
Angst, liebe Kolleginnen und Kollegen: Es wird jetzt hier kein Antrag
kommen, der zusätzliche finanzielle Kraftakte erfordert. Aber
wir von der UL meinen, wir müssen schon deutlich machen, dass
uns - den politisch Verantwortlichen hier in der Stadt - unsere
Jugendlichen nicht egal sind und dass wir uns Gedanken um sie machen.
Die UL
möchte darum einmal darauf dringen, dass der Jugendbeauftragte
Herr Stölzner baldmöglichst dem Gemeinderat detailliert
Bericht über die Situation im Juze erstattet, die offenbar
für alle Seiten alles andere als zufrieden stellend ist.
Des Weiteren wird die UL den Antrag stellen, dass aus dem Etat für
das Magnusfest 2000,- Euro für eine Veranstaltung herausgelöst
werden, die explizit für Jugendliche (ab ca. 14 Jahren) am
Magnusfest organisiert werden soll. Damit wollen wir wenigstens
ein positives Zeichen setzten. Es zeigt sich doch immer mehr, dass
sich die meisten Jugendlichen spätestens ab der 8. Klasse vom
"Kinder- und Heimatfest" nicht mehr angesprochen fühlen,
dass sie es nicht als ihr Fest begreifen. Denen möchten wir
mit einer solchen Geste signalisieren, dass wir versuchen, auch
ihnen gerecht zu werden. Zugleich hoffen wir damit eine Initialzündung
für eine Initiative auszulösen, die von den Jugendlichen
selbst kommt. Mehr als eine solche Geste in Richtung der Jugendlichen
erlaubt die wirtschaftliche Lage der Stadt leider nicht.
Bereich
Familie (Michael Gross)
Bad Schussenried
muss noch attraktiver werden, und zwar für verschiedenste Gruppen.
Dabei dürfen wir auch junge Familien nicht vergessen. Einen
ersten Schritt in diese Richtung kann man mit der Ausweisung billiger
Bauplätze tun, darüber hat man ja schon öfter gesprochen.
Ein anderer Schritt zur Attraktivitätssteigerung ist nach Meinung
der UL der Ausbau unseres Kindergartenangebots. In den letzten Jahren
haben wir - zuletzt mit der Einrichtung der Villa Wackelzahn - das
gesetzlich geforderte Angebot geschaffen, mit den städtischen,
kirchlichen und dem Waldorfkindergarten stehen den Eltern in Bad
Schussenried Kindergartenplätze verschiedener Konzeptionen
zur Verfügung. Dies kann durchaus auch ein wichtiger Standortfaktor
sein und Einfluss auf die Wohnungssuche junger Eltern haben, wenn
sie sich für eine Stadt entscheiden müssen. Notwendig
für eine positive Stadtentwicklung ist aber eine Weiterentwicklung
dieses Angebotes.
Wir sprechen
uns darum dafür aus, noch im Jahr 2003 eine Ganztagsbetreuung
im Kindergarten anzubieten. Damit kann Bad Schussenried ein Zeichen
setzen und es jungen Müttern und Vätern ermöglichen,
schneller wieder in den Beruf einzusteigen oder Familie und Beruf
besser vereinbaren zu können. Diese Möglichkeit dürfte
ohne Frage ein Pluspunkt für unsere Stadt sein und sollte es
ermöglichen, junge Familien in Schussenried zu halten bzw.
diese in Schussenried anzusiedeln. Ein Thema, mit dem wir uns ohne
Frage beschäftigen müssen, prognostiziert das Statistische
Landesamt doch einen mittel- bis langfristigen Bevölkerungsrückgang
in Bad Schussenried, ein Trend, dem man entgegen wirken muss.
Viele
werden jetzt sagen, dass wir uns in der aktuellen finanziellen Schieflage
keine solche Ganztagesbetreuung leisten können. Wir jedoch
sehen dies anders. Die Verwaltung zeigte uns im Herbst letzten Jahres
auf, dass die günstigste Lösung mit rund 22.000 Euro Kosten
über dem Planansatz im Kindergartenbereich durchgeführt
werden könnte. Die UL wird beantragen, zu Beginn des Kindergartenjahres
2003/2004 die Ganztagesbetreuung anzubieten, so dass uns für
das Haushaltsjahr 2003 Kosten in Höhe von rund 11.000 Euro
entstehen dürften.
Diese
könnten wir zum Beispiel aus dem Haushaltsansatz für Personalkosten
finanzieren, dort nämlich wurde im Gegensatz zu der erst letzte
Woche beschlossenen Tariferhöhung von 2,4% mit einer Erhöhung
von 3% gerechnet, was frei werdende Mittel in Höhe von knapp
13.000 Euro, also die für die Ganztagesbetreuung ab Herbst
notwendige Summe ausmacht.
Ich hoffe,
dass auch der Rest des Gremiums diese Ausgaben nicht nur als konsumtiv,
sondern auch als eine Art Investition für die Zukunft ansieht.
Investitionen für unsere Familien und vor allem die Zukunft
der Schussenrieder Kinder und damit unserer Stadt stellen nämlich
eine wichtige Aufgabe in unserer Gemeinde dar.
Fazit
von Fraktionssprecher Hans Steyer
Die UL
will dazu beitragen, dass die zur Verfügung stehenden Mitteln
effizient eingesetzt werden. Dieser wirtschaftliche Ansatz muss
bei der Erfüllung der Aufgaben stetig berücksichtigt werden.
Je sparsamer die Stadt die einzelnen Aufgaben erfüllt, um so
mehr steht der Gemeinde für die Erfüllung weiterer Aufgaben
zur Verfügung. Je günstiger das Verhältnis zwischen
Mitteleinsatz und Aufgabenerfüllung ist, desto wirtschaftlicher
- effizienter - hat die Gemeinde gehandelt.
Trotz
Finanzmisere kann sich die Stadt Bad Schussenried eine Vernachlässigung
des Infrastrukturbestandes über einen längeren Zeitraum
nicht leisten, ohne negative Folgen für die Lebensqualität
und einen weiteren Abbau der wirtschaftlichen Attraktivität
in Kauf zu nehmen. Ziel muss es sein, mit den begrenzten Einnahmen
möglichst viele Aufgaben zu erfüllen - ein Versuch einer
Trendwende.
Im Wesentlichen
kennzeichnen 4 Brennpunkte den HH 2003:
- Ein
drohender Pachtausfall in Höhe von rd. 370.000 Euro aus dem
Jahr 2000 erfordert einen teuren Zwischenfinanzierungskredit.
- Ein
Pachtertrag, der von der Entwicklung im Gesundheitswesen abhängt
und kaum kalkulierbar ist.
- Ein
hohes Risiko bei der Investitionshilfe aus dem Ausgleichsstock
für die Realschule, die von der Entwicklung der Steuereinnahmen
des Landes abhängig ist.
- Ein
hohes Risiko bei der Fachförderung für die Realschule
bezüglich Höhe und Zeitpunkt und eine daraus erwachsende
Belastung in unbekannter Höhe durch die Zwischenfinanzierung
über einen Kassenkredit.
Herr
BM Beetz, wir gehen davon aus, dass die Pachtforderung aus dem Jahre
2000 nicht kommt, wie im HH eingeplant. Ein HH basiert auf reale
Planansätze. Herr Bürgermeister, der Gemeinderat braucht
vom Geschäftsführer der GmbH eine klare Aussage darüber,
ob mit der ausstehenden Pacht noch zu rechnen ist. Für diese
Information müssen Sie als Aufsichtsratsvorsitzender der GmbH
sorgen. Sollten sie als schon über mehr Informationen diesbezüglich
verfügen, dann könnte hier mit der im Haushaltsplan angekündigten
Zwischenfinanzierung eine verdeckte Kreditaufnahme vorliegen.
Des Weiteren
verstehen wir nicht, dass das Ergebnis aus der Klausurtagung nicht
abgerufen wird und ein abschließendes Gespräch mit einer
Bewertung stattfindet, obwohl die Klausurauswertung in den Kosten
eingeschlossen war. Welchen Sinn hatte die Klausur?
Und zum
Schluss: Dem ersten Schussenbote des Jahres 2003 konnte man entnehmen,
dass der Bürgermeister die Bürgerinnen und Bürger
der Stadt Bad Schussenried zu einem Neujahrsempfang einlädt,
um gleichzeitig das 50-jährige Jubiläum der Stadthalle
Bad Schussenried zu feiern, ohne die Fraktionen über ihre Fraktionssprecher
zu informieren. Soll
dieses Gremium dieses Signal so verstehen, dass man die Gemeinderäte
nicht braucht?
Für
unsere Änderungsanträge werden wir dem Gremium in den
Beratungen in den Ausschüssen realisierbare Deckungsvorschläge
unterbreiten. Die UL macht ihr Abstimmungsverhalten von den Beratungsergebnissen
in den Ausschüssen abhängig. Eine Zustimmung zur HH-Satzung
erfolgt nur dann, wenn wir den Bürgerinnen und Bürgern
von Bad Schussenried einen HH mit realistischen Planansätzen
vorlegen können.
Wir, die Fraktion der UL, bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit.
Anträge
der UL-Fraktion zum Haushaltsentwurf 2003 
Zusammenfassung der Rede zum Haushaltsentwurf 2003 
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