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Rede
zum städt. Haushaltsplan 2000
Sehr
geehrter Herr Bürgermeister Beetz, Herr Stadtkämmerer
Dieterich, sehr geehrte Gemeinderatskollegin, verehrte Gemeinderatskollegen,
sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
Einleitung
dem Gemeinderat
liegt der Haushaltsplan 2000 im Entwurf vor. Hört man sich
um, meinen die einen: Der Haushaltsplan ist ein Buch mit sieben
Siegeln, die anderen: Der Haushaltsplan dient der Verwaltung
zur Tarnung von Manövriermasse.
Wir von
der Unabhängigen Liste, sehen im vorgelegten Haushaltsplan
ein Rechenwerk, welches die Finanzen der Stadt Bad Schussenried
übersichtlich darstellt.
Mit dem
Millenniumswechsel und dem Begriff Haushaltsplan 2000
wird eine Aufbruchsstimmung vermittelt. Es stellt sich die Frage:
Ist der vorgelegte Haushaltsplan zukunftsfähig und werden
entsprechende Signale gesetzt?
Schuldenstand
der Stadt
Der Schuldenstand
im Verwaltungshaushalt verringert sich durch eine außerordentliche
Tilgung von 1,1 Mio. DM fast auf null. Im wesentlichen ist die Schuldenentwicklung
aber auf die Umschichtung auf die Eigenbetriebe zurückzuführen.
Durch die Schuldenlast von 15 Mio. DM bei den Eigenbetrieben Wasser
und Abwasser und den dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen
ist mit einer wünschenswerten Gebührenentlastung der Privathaushalte
nicht zu rechnen. Im Gegenteil, die Einwohner Bad Schussenrieds
werden über Jahre weiterhin mit hohen Gebühren belastet.
Mit der
Änderung der Organisationsform im Kurwesen hin zur Gesundheits-GmbH
und dem Einsetzen eines tüchtigen Geschäftsführers
ist eine Uralt-Forderung der Unabhängigen Liste
endlich in Erfüllung gegangen. Diese Maßnahme hat sich
als richtig erwiesen, wie sich am Aufwärtstrend im Kurwesen
der Stadt ablesen läßt.
Die Gesundheits-GmbH
ist jedoch trotz Pachterhöhung in den folgenden Jahren nicht
in der Lage, den Kapitaldienst für die Schulden des Kurbetriebs
von 25 Mio. DM voll abzudecken.
Personalkosten
Vordergründig
wirkt sich die Reduzierung der Personalkosten um fast 1 Mio. DM
gegenüber dem Vorjahr, trotz der zu erwartenden und berücksichtigten
Besoldungs- und Tariferhöhungen, positiv aus.
Berücksichtigt
man jedoch die Auslagerung der Personalkosten des Bauhofs, so beträgt
die tatsächliche Einsparung bei den Personalkosten 60.000 DM.
Hier
wird der Gemeinderat darauf zu achten haben, inwieweit die Vorgaben
des Organisationsgutachtens umgesetzt werden können, um weitere
Einsparungen bei den Personalkosten zu ermöglichen. Die Reduzierung
der Personalkosten darf sich natürlich nicht negativ auf das
Dienstleistungsangebot der Verwaltung auswirken. Trotz Kostenreduzierung
muss sich die Verwaltung zu einer servicefreundlicheren Einrichtung
weiterentwickeln.
Das Organisationsgutachten
der Firma Füllte und Fingerle zeigt deutlich die Schwächen
der Verwaltung auf, die es gilt kurzfristig und zielstrebig abzubauen.
In diesem Zusammenhang erwartet der Gemeinderat von der Verwaltung
Signale, die dem Organisationsgutachten entsprechen.
Einnahmesituation
Die Einnahmesituation
der Stadt verbessert sich gegenüber dem Vorjahr um fast 1 Mio.
DM über den Finanzausgleich. Zusätzlich sieht der Haushaltsplan
eine Anhebung des Gewerbesteueransatzes um 1,2 Mio. auf 4 Mio. DM
vor.
Es ist
davon auszugehen, dass sich entsprechend der allgemeinen wirtschaftlichen
Lage der erfreuliche Trend bei der Gewerbesteuerentwicklung fortsetzt.
Daher wäre eine weitere Anhebung durchaus vertretbar.
Baumaßnahmen
/ Schulstraße / Olzreute / Wilhelm-Schussen-Straße
Mit der
Baumaßnahme Schulstraße wird im Haushaltsjahr
2000 die Sanierung der Verbindung zwischen Gesundheitszentrum und
Innenstadt in Angriff genommen. Der Haushalt sieht im Planansatz
eine Investition von 780.000 DM und eine erwartete Investitionshilfe
von 700.000 DM vor. Das würde heißen, dass diese, für
die Kurstadt so wichtige Verbindungsstraße, für nur 80.000
DM aus städtischen Mitteln zu haben ist. Dies wäre erfreulich.
Zweifel sind jedoch angebracht bezüglich der Höhe der
Investitionshilfe aus dem Ausgleichsstock.
Anzumerken
ist, dass die Anwohner nicht in die Sanierungsmaßnahme einbezogen
werden. Ein Beratungsprogramm für bauliche Anpassungen seitens
der Anrainer, würde den Gestaltungsspielraum um ein Vielfaches
erweitern und zusätzliche Investitionen der privaten Haushalte
auslösen. Um das Ortschaftsbild nachhaltig und positiv zu verändern
sind begleitende Maßnahmen unabdingbar, mit dem Ziel einer
hohen Akzeptanz von Sanierungsmaßnahmen und erhöhter
Identifikation mit der Straße und der Gemeinde.
Für
die anstehenden Rückbaumaßnahmen in der Wilhelm-Schussen-Straße
wäre jetzt der richtige Zeitpunkt die Anwohner zu informieren,
um das Investitionspotential der Anrainer zur Verschönerung
der Innenstadt bei gleichzeitiger Wertsteigerung des angrenzenden
Eigentums zu nutzen.
Dasselbe
gilt auch für den kurz vor Planungsabschluß stehenden
Straßen- und Gehwegbau in der Ortsdurchfahrt Olzreute. Um
eine Verschönerung der Ortschaft zu erreichen, wie sie z.B.
in Muttensweiler gelang, sollten die Anwohner über ein begleitendes
Beratungsprogramm in die Baumaßnahmen miteinbezogen werden.
Bei der
Sanierung der Ortsdurchfahrt in Kleinwinnaden wurde wohl die Kanalisation
und der Straßenbelag erneuert, aber in der Verkehrsführung
und am Ortschaftsbild ergab sich keine wesentliche Verbesserung.
Der Radweg führt gerade mal bis Kleinwinnaden. Es fehlt die
Anbindung zum Schussenursprung und damit nach Aichbühl, Steinhausen
und Schienenhof.
Der gleiche
Fehler wird allem Anschein nach in Olzreute wiederholt.
Die Fraktion
der Unabhängigen Liste wird im entsprechenden Ausschuss Anträge
für begleitende Beratung der Anwohner der Schulstraße
und der Wilhelm-Schussen-Straße einbringen.
Dorfsanierung
Reichenbach
Für
ein örtliches Entwicklungskonzept zur Dorfsanierung Reichenbach
sind Planungskosten eingestellt. Ist ein solches Konzept in den
nächsten Jahren zu finanzieren, oder wir daraus ein Schubladenkonzept?
Ein Dorfgemeinschaftshaus
gehört aus unserer Sicht in den Ortskern. Nicht ein Neubau
kann deshalb die Lösung sein, sondern der Erwerb und Umbau
der Gaststätte Zum Hirsch unter Einbeziehung bürgerschaftlichem
Engagement.
Rücklagenentwicklung
Im Haushaltsjahr
2000 ist eine Entnahme von 2 Mio. DM aus den Rücklagen vorgesehen.
Dadurch reduzieren sich die verfügbaren Rücklagen von
4 Mio. auf noch 2,5 Mio. DM. Dies kennzeichnet die tatsächliche
Entwicklung der finanziellen Lage der Stadt Bad Schussenried.
Unterhaltsmaßnahmen
Für
bauliche Unterhaltsmaßnahmen sieht der Haushaltsplan 2000
einen Betrag von 150.000 DM vor. Seit 1997 ist dieser Betrag für
Unterhaltsmaßnahmen unverändert.
Es ist
zu befürchten, dass erhöhte Folgekosten wegen unterlassener
Reparaturarbeiten, ähnlich wie beim Dach der Sporthalle und
am Beispiel der alten Hauswirtschaftsschule, auftreten.
Hier
stellt sich die Frage: Haben die Mittel in den zurückliegenden
Jahren gereicht. Wäre es nicht sinnvoller, jährlich den
Reparaturbedarf an den städtischen Gebäuden zu erheben,
um zu einem realistischen Planansatz zu kommen und den Erhalt der
städtischen Gebäudesubstanz zu gewährleisten.
Bauland
in der Kernstadt
Die Baulandentwicklung
ist und bleibt eine wichtige Aufgabe der Kommune. Will man durch
Zuzug die Kaufkraft und die Steuereinnahmen verbessern, so muss
die Gemeinde dafür sorgen, dass Wohnbauland jederzeit, in ausreichender
Menge, in städtebaulich vertretbarerweise und zu einem angemessenen
Preis verfügbar ist. Die Nachfrage nach Wohnbauland wird auch
zukünftig anhalten. Bei Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
ist sogar von einer weiter steigenden Nachfrage auszugehen.
Das Eigenheim
ist in Bad Schussenried trotz stabiler Baupreise und günstigem
Baugeld zum Luxusgut geworden. Für Bad Schussenried gilt, dass
die breite Mittelschicht, die Wohneigentum bilden möchte, aus
der Kernstadt verdrängt wird. Das bedeutet den Verlust an jungen,
aktiven Familien. Dieses Baulandproblem bedarf einer Lösung.
Die Fraktion der Unabhängigen Liste sieht im vorliegenden Haushaltsplan
keinen adäquaten Ansatz.
Dem Grundstücksverkauf
von rd. 800.000 DM steht ein Grundstücksankauf von rd. 500.000
DM gegenüber. Dabei ist keinesfalls sichergestellt, ob sich
die vorgesehenen Grundstücke zu den in Bad Schussenried hohen
Grundstückspreisen verkaufen lassen. Wird die Planvorgabe nicht
erreicht, ergibt sich eine Einnahmenlücke. Ein Großteil
der anzukaufenden Grundstücke wird zudem für Verkehrsflächen
benötigt. Ich erinnere an die dringend erforderliche Fertigstellung
der Umgehungsstraße Richtung Aulendorf.
Was verbleibt
da noch für einen sozialverträglichen Wohnungsbau?
Vereinsförderung
Die Vereinsförderung
der Stadt Bad Schussenried beschränkt sich im Wesentlichen
auf die Vergabe von Nutzungszeiten für die Sporthalle, Gewährung
von Zuschüssen zur Jugendarbeit und Berichterstattung im Schussenbote.
Sie wird
der veränderten sportlichen Aktivität nicht gerecht. Die
Stadt muss heute auch als Bewegungsraum für nicht
motorisierte Aktivitäten betrachtet werden. Das Schaffen und
Verändern von Flächen für Sport und Freizeit wird
sich als ein wichtiger Standortfaktor in einem Tourismuskonzept
niederschlagen.
Den Vereinen
muss der Stellenwert als Partner und nicht als Bittsteller eingeräumt
werden. Sie bieten den Jugendlichen in der ehrenamtlichen Tätigkeit
die Möglichkeit zur Persönlichkeitsentwicklung und vermitteln
soziale und moralische Kompetenzen.
Der Haushaltsplan
2000 weist keine Plandaten aus, um die Vereinsförderung aus
ihrem Schattendasein zu führen.
Stadtentwicklung
Im Haushaltsplan
2000 fehlen Planansätze für wichtige Punkte in Sachen
Stadtentwicklung. Dazu gehören Maßnahmen wie z.B.:
- Gewerbe-
und Industrieansiedlung,
- Verkehrsanbindung
(Verbesserung der Infrastruktur, Umgehungsstraße, günstigere
Bahnverbindungen, Verkehrswegeplanung),
- ein
Tourismuskonzept,
- ein
Nutzungskonzept für die alte Tennisanlage,
- Städtepartnerschaft,
- Vorplanung
der Landesausstellung im Jahr 2003,
- Aufbau
einer Seniorengemeinschaft,
- u.a.
mehr.
Man stelle
sich vor, die Besucher der Landesausstellung wollen aus Richtung
Ulm nach Bad Schussenried und vom Bahnhof in die Stadtmitte. Heute
ein Trauerspiel. Betrachtet man den Bahnhof und seine Umgebung
der erste prägende Eindruck von Bad Schussenried - so fühlen
sich die Besucher in die Provinz hoch drei versetzt.
Der entsprechende Ausschuß muß die fehlenden Planansätze
in den Haushaltsplan 2000 einstellen.
Stadthalle
/ Kostenüberschreitung
Und nun
zur Stadthalle, die ihr erstes Betriebsjahr nach der Sanierung überstanden
hat. In vielen Ansprachen ist die gute Stube der Stadt Bad
Schussenried verdientermaßen gelobt worden.
Der städtische
Haushalt wird jedoch durch die Stadthallensanierung mit Mehrkosten
von fast 1 Mio. DM belastet. 500.000 DM an städtischen Mitteln
waren vom Gemeinderat genehmigt. 1,5 Mio. DM an städtischen
Mitteln sollen nun in die Stadthallensanierung fließen. Das
dreifache dessen, was der Gemeinderat genehmigt hatte.
Ein Schönrechnen
durch den Abzug der Vorsteuer ist nicht gerechtfertigt, da es die
Verwaltung versäumt hat, über ein vom Gemeinderat gefordertes
Nutzungskonzept das Objekt Stadthalle in einen vorsteuerabzugsberechtigten
Betrieb umzuwandeln.
Hier
war die Verwaltung während des Umbaus, besonders in Zeiten
knapper Kassen, zur strikten Ausgabendisziplin und Kostenüberwachung
einstimmig durch den Gemeinderat verpflichtet. Dies wurde offensichtlich
nicht gewährleistet. Die Handlungsfähigkeit der Stadt
Bad Schussenried wird durch die Kostenüberschreitung empfindlich
eingeschränkt.
Bis zum
heutigen Zeitpunkt liegt unverständlicherweise dem Gemeinderat
keine Endabrechnung über die Sanierungsmaßnahmen der
Stadthalle vor. Zu dem wäre es angemessen gewesen, die Endabrechnung
über die Baumaßnahme zur Stadthalle mit dem Gemeinderat
vorzunehmen, der an allen Entscheidungen mitgewirkt hat. Mit viel
Engagement haben sich alle Gemeinderäte um eine kostengünstige
Lösung bemüht. Eine fristgerechte Vorlage der Endabrechnung
wäre zeitlich durchaus machbar gewesen, liegt doch der Verwaltung
seit dem 15. September 1999 die Endabrechnung vor.
Ein Jahr
nach Fertigstellung stellt sich die Frage: Wodurch sind die
Mehrkosten entstanden und wer hat die Kostenüberschreitung
zu verantworten?
In diesem
Punkt können wir dem Haushaltsentwurf nicht zustimmen und werden
eine Einzelberatung und separate Abstimmung beantragen.
Zusammenfassung
Ich komme
nun zum Schluss. Für die fast vollständig erneuerte Fraktion
der Unabhängigen Liste muss die Botschaft des Haushaltsplanes
2000 lauten:
- Sind
die Planansätze für und mit den Bürgern der Stadt
Bad Schussenried umsetzbar.
- Wie
kann Wohnbaufläche für junge Familien in der Kernstadt
Bad Schussenried zur Verfügung gestellt werden.
- Wie
kann man gewährleisten, dass die betreffenden Anlieger frühzeitig
in notwendige Baumaßnahmen der Stadt miteinbezogen werden.
- Vorrangiges
Ziel muss es sein, die Gesundheits-GmbH in die Lage zu versetzen,
über die Pacht den Kapitaldienst für die Schulden des
Kurbetriebs abzudecken.
- Die
Verwaltung entsprechend dem Organisationsgutachten zu einem effizienten,
bürgerfreundlichen und kundenorientierten Dienstleistungsbetrieb
auszubauen.
- Nach
der Gemeindeverfassung von Baden Württemberg hat der Gemeinderat
ein Kontrollrecht. Er hat die Ausführung seiner Beschlüsse
zu überwachen und beim Auftreten von Missständen für
deren Beseitigung durch den Bürgermeister zu sorgen. Deshalb
muss zuerst die Endabrechnung zu den Sanierungsmaßnahmen
der Stadthalle auf die Tagesordnung und erst dann kann man sich
dem Haushaltsplan 2000 zu wenden.
Ich bedanke
mich für Ihre Aufmerksamkeit.
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