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Interview zur Landesausstellung 2003

mit Max Herold, Geschäftsführer des Neuen Kloster Bad Schussenried.

UL: Steht es schon definitiv fest, ob die Landesausstellung nach Bad Schussenried kommt, welchen Namen und welchen Inhalt soll sie haben?

Max Herold: Ja, die Landesausstellung wird von April bis Oktober 2003 in Bad Schussenried gezeigt. Ich darf hierzu die Landesregierung zitieren: "Die Ausstellung wird im Jahr 2003 in Bad Schussenried gezeigt werden. Mit der Entscheidung für Bad Schussenried als Veranstaltungsort der Großen Landesausstellung im Jahr 2003 wird das kulturelle Angebot der `Region Oberschwaben` durch einen ganz besonderen Glanzpunkt bereichert, der weit über Oberschwaben ausstrahlen wird."

Über die Bezeichnung der Ausstellung ist noch nicht abschließend entschieden; derzeit läuft sie noch unter dem Arbeitstitel "Säkularisation".


Die Ausstellung soll einen für den Deutschen Südwesten bislang geschichtlich noch nicht aufgearbeiteten Vorgang aufhellen, der für die Entwicklung unserer Landschaft einen großen Eingriff darstellte. Bis heute wird dieser kulturelle Kahlschlag verharmlosend als "Säkularisation" bezeichnet. Aber wer kann sich unter diesem Begriff schon etwas vorstellen? Eingeleitet wurde alles durch den Frieden zu Campoformio 1797, dem Abschluß der Kriege, die der damals 28 jährige Napoleon Bonaparte geführt hatte und in dem Österreich der französischen Besetzung des linken Rheinufers gegen anderweitige Gebietsentschädigungen umstimmte. Im Friedenskongreß von Rastatt stimmten die hiervon betroffenen deutschen Fürsten vorbehaltlich einer Entschädigung zu. Im Reichsdeputationsschluß 1803 zu Regensburg wurden außer Mainz sämtliche geistlichen Gebiete, vornehmlich die Klöster, kurzerhand enteignet und aufgelöst und die deutschen Fürsten mit diesen wertvollen Gütern für die Abtretung ihrer linksrheinischen Besitzungen entschädigt. Das also war die Säkularisation: Die wohl umfangreichste Vermögensumverteilung in der Geschichte, ungezählte Kunstgegenstände von hohem Wert gingen verloren, die reichen Bibliotheken und Archive der Klöster, bis zu einem Jahrtausend alt, gingen weitgehend unter. Das Ende der Klöster war gleichzeitig aber auch ein Neubeginn, eine Zeitenwende mit neuen Chancen; auch dies soll die Landesausstellung zeigen.

UL: Welche Aufgabe kommt bei dieser Ausstellung der "Neuen Kloster GmbH" zu?

Max Herold: Die Gesellschaft Neues Kloster wird sich im örtlichen Management und mit all ihren Möglichkeiten einbringen. Hierbei besteht das Problem, die noch junge Institution, die sich derzeit im Aufwind befindet, nicht allzusehr zu beeinträchtigen und vor allem die Kunden trotz eingeschränkter Tagungsmöglichkeiten bei der "Stange" zu halten.
Dasselbe gilt für die vor kurzem gegründete Tourismusgesellschaft Oberschwaben. Die Landesausstellung wird ein wichtiges zeitlich begrenztes touristisches Produkt für unsere Gesellschaft werden.

UL: Was muß die Stadt Bad Schussenried Ihrer Ansicht nach unternehmen, um für das Jahr 2003 "fit" zu sein?

Max Herold: Bürgermeister und Gemeinderat und die ganze Bürgerschaft sind aufgerufen, sich an diesem großen Projekt zu beteiligen. Jeder kann hierzu einen Beitrag leisten. Entsprechende Initiativen sind ja bereits durch Bürgermeister Beetz und andere gesellschaftliche Gruppierungen gestartet worden. Ganz wichtig ist eine Ausweisung ausreichender Parkplätze für den zu erwartenden Besucherstrom, sowohl für PKW wie für Omnibusse und die Ausarbeitung eines Parkleitsystems. Hiermit haben wir schon jetzt erhebliche Probleme bei größeren Veranstaltungen im Neuen Kloster. Mit der Aufnahme von Bad Schussenried in das Landessanierungsprogramm gemeinsam mit den Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Renovierung der Klosteranlage geplant sind, bestehen optimale Voraussetzungen, daß Bad Schussenried in der städtebaulichen Entwicklung einen großen Schritt nach vorn tun kann.

UL: Wie frühzeitig muß mit den Vorbereitungen begonnen werden und welche Chance sehen Sie mit dieser Ausstellung für das Kloster und die Stadt Bad Schussenried?

Max Herold: Die internen Vorbereitungen laufen bereits seit geraumer Zeit. Die öffentlichen Maßnahmen werden in Kürze anlaufen. Mit der Landesausstellung wird für Bad Schussenried das Herz der Stadt, das Klosterareal, erstmals und endgültig zum attraktiven Mittelpunkt werden.

UL: Ist zu der Ausstellung ein örtliches Rahmenprogramm erforderlich und wie kann sich daran die Gastronomie, Handel, Gewerbe und Vereine beteiligen?

Max Herold: Ein örtliches Rahmenprogramm ist nicht nur sinnvoll sondern ein "muß". Die Stadtverwaltung wird gemeinsam mit der Tourismusgesellschaft einen Veranstaltungskalender mit den Begleitveranstaltungen herstellen.
Die Tourismusgesellschaft Oberschwaben wird ferner gemeinsam mit der Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg touristische Packages rund um einen Ausstellungsbesuch produzieren. Daß sich hierbei Gastronomie, Handel, Gewerbe und Vereine beteiligen, davon gehe ich aus, denn neben dem geschichtlichen Hintergrund stellt diese Landesausstellung auch einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für unsere Region dar.