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Schwäbische
Zeitung bei der UL
(blu)
Am Mittwoch, 2.10.2002, lud die Unabhängige Liste (UL) Bad
Schussenried den Leiter der Regionalredaktion Biberach der Schwäbischen
Zeitung, Hartmut Bigalke, zu einem Gesprächsabend ein. Ziel
war ein offenes Gespräch mit Anregungen und Wünschen über
das Thema Berichterstattung über Bad Schussenried und Umgebung.
Schnell kristallisierten sich zwei Diskussionspunkte heraus, die
den Schussenriedern besonders am Herzen liegen.
Randlage
großes Problem
Am meisten
störte die anwesenden Schussenrieder die Randlage ihrer Stadt
im Verbreitungsgebiet der Lokalausgabe Biberach. Die drei oberschwäbischen
Kurstädte Aulendorf, Bad Buchau und Bad Schussenried werden
von drei verschiedenen Lokalausgaben der Schwäbischen Zeitung
bedient, obwohl sie sich als eine Region fühlen. Vereins- und
Sportberichte müssen in drei verschiedenen Lokalausgaben aufgegeben
werden, über die jeweils nur sechs Kilometer entfernten Nachbargemeinden
erfährt man weniger als über das 30 km erntfernte Ochsenhausen.
Wie wenig sich das Informationsbedürfnis im Südwestzipfel
des Landkreises Biberach an den Kreisgrenzen orientiert, zeigt sich
auch daran, daß in den zu Bad Schussenried gehörenden
Teilorten Otterswang und Reichenbach ein Gutteil der Bürger
nicht die Biberacher, sondern die Bad Waldsee/Aulendorfer bzw. die
Bad Saulgauer Lokalausgabe der Schwäbischen Zeitung abonniert
hat.
Auch
die Seite "Oberschwaben", die bis vor kurzem in anderen
Lokalteilen der Schwäbischen Zeitung wie z.B. Bad Saulgau und
Ravensburg erschien, würde dem Informationsbedüfnis der
Schussenrieder mehr entgegen kommen, als die Berichterstattung aus
Ulm und Memmingen, die, so die Anwesenden, Gott sei Dank unlängst
wieder eingestellt wurde.
Chefredakteur
Bigalke überrascht
Das in
dieser Deutlichkeit nicht zum ersten Mal gegenüber der Schwäbischen
Zeitung artikulierte Informationsbedürfnis der Schussenrieder
war für Chefredakteur Bigalke, der erst seit kurzem für
die Regionalredaktion Biberach-Riedlingen verantwortlich ist, überraschend,
leuchtete ihm vom Grundsatz her jedoch ein. Bigalke wies allerdings
darauf hin, daß die von den Schussenriedern beklagte Informationsbarriere
an allen Grenzen des Verbreitungsgebiets der Lokalausgabe Biberach
bestehen würde und das östliche Ende des Landkreises wiederum
kein Interesse an Berichten aus Aulendorf oder Bad Buchau habe.
Ohne sich definitiv festzulegen, wolle er jedoch versuchen, die
wichtigsten Meldungen der Nachbarstädte Bad Waldsee, Aulendorf,
Bad Buchau und Bad Saulgau in den Biberacher Lokalteil mir aufzunehmen.
Die Oberschwaben-Seite sei Wirtschaftlichkeitsüberlegungen
zum Opfer gefallen. Angesichts des Problems aller Tageszeitungen,
dem starken Rückgang des Anzeigenaufkommens, seien dem Umfang
der Schwäbischen Zeitung Grenzen gesetzt. Grundsätzlich
müsse die Schwäbische Zeitung jedoch versuchen, durch
eine attraktivere Lokalberichterstattung wieder Leser zurückzugewinnen,
war sich Bigalke durchaus im klaren.
Kaum
Berichte über Bad Schussenried
Der zweite
Knackpunkt war die Berichterstattung über Bad Schussenried
selbst. Im Vergleich zum etwa gleich großen Ochsenhausen,
so die Kritik der Diskussionsteilnehmer, berichte die Schwäbische
Zeitung über Bad Schussenried so gut wie nichts, nicht mal
über alle Gemeinderats- und Ausschußsitzungen. Dem widersprach
Bigalke, denn derzeit würde über Bad Schussenried so viel
wie schon lange nicht mehr geschrieben, was zugegebenermaßen
allerdings an der Klosterberichterstattung im Vorfeld der Landesausstellung
2003 liege. Grundsätzlich war Bigalke jedoch der Meinung: "Gemeinderatssitzungen
gehören ins Blatt, Ausschüsse je nach Bedeutung".
Die bloße Berichterstattungen über diese Sitzungen würde
jedoch nicht ausreichen. Diese müssten vielmehr, hier waren
sich Chefredakteur und Schussenrieder einig, kritisch begleitet
werden. Die immer neuen Investitionspläne von Bad Schussenried
beispielsweise, wie Parkpromenade und Zelleseebad, könnten
angesichts der Rekordverschuldung der Stadt nicht mehr ohne kritische
Kommentierung bleiben.
Einseitige
Berichterstattung wurde kritisiert
Kritisiert
wurde auch die Einseitigkeit der Berichterstattung. Bei der Landtagswahl,
so der Vorwurf, war den Anwesenden die Berichterstattung der Schwäbischen
Zeitung zu CDU-lastig, bei der Bürgermeisterwahl erfolgte sie
zu sehr zugunsten des Amtsinhabers. Dies habe sich allerdings, hier
waren sich beide Seiten wieder einig, im gerade zu Ende gegangenen
Bundestagswahlkampf deutlich gebessert. Die Nachrichtenauswahl,
so Bigalkes Vorstellung von gutem Journalismus, müsse objektiv
sein, der Bericht im einzelnen sei eine Frage der journalistischen
Berwertung. Er freue sich, daß sich das auch in der Berichterstattung
im Lokalteil niederschlagen habe.
Insgesamt war der Meinungsaustausch zwischen Chefredaktion und Leserschaft
fruchtbar, so daß sich beide Seiten einig waren, sich zu gegebener
Zeit wieder zu treffen.
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