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Zum
Ausscheiden von Oswald Metzger
Sehr
geehrter Herr BM Beetz, meine Damen und Herren von der Verwaltung,
meine Damen und Herren Gemeinderäte, sehr geehrte Zuhörerinnen
und Zuhörer.
Eine
Ära geht zu Ende.
Mit
dir, lieber Oswald, scheidet heute nach einer Wirkungsperiode von
23 Jahren das letzte noch verbliebene Gründungsmitglied der
kommunalpolitischen Vereinigung der Unabhängigen Liste aus
dem Bad Schussenrieder GR aus.
Die Bad Schussenrieder erinnern sich sicherlich noch an den jungen,
stürmischen Oswald Metzger, wie du samstags, in der Wilhelm-Schusssen-Straße
beim Schreibwaren-Abt in unmittelbarer Nähe zur "kommunalpolitischen
Schaltzentrale Weinstadl" mit dem "Motzer" in der
Hand am imaginären Rathauszaun rüttelst, um den Bürgerinnen
und Bürgern zu signalisieren, dass du ins Rathaus willst.
Deine
geradlinige Politik hat dich dann nicht nur in dieses Stadtparlament
sondern auch in den Kreistag und den Bundestag gespült, um
dort als haushaltspolitischer Sprecher des Bündnis 90/ Die
Grünen die Bundespolitik aufzumischen.
Jugendhausbewegung
1974 war der Beginn
Angefangen
hat deine politische Karriere in der Jugendhausinitiative 1974.
Bei der Jungbürgerfeier wurde die Forderung - 20 000 DM für
ein Juze - erhoben. Der Ost-West-Konflikt trug zur Politisierung
der Jugendbewegung bei und drängte den politisch aktiven Jugendlichen
die Kriegsdienstverweigerungshaltung förmlich auf.
Ende 76 - ein erster Etappensieg - endlich die Eröffnung des
ersehnten Jugendzentrums im Keller der Georg-Kaeß-Schule.
Die Freude war nur von kurzer Dauer. Hauptamtsleiter Hofmeister
und die Polizei führten am 02. Mai 78 die Schließung
durch. Diese Schließung mobilisierte 600 Jugendliche aus ganz
Oberschwaben zu einer ersten Demo in Schussenried, begleitet von
jungen Musikern aus Schussenried, der späteren Grachmusikoff.
In
der Rückschau erscheint es einem, wie ein ungeschriebenes Gesetz:
Erst Vorstand im Juze, um dann später als Gemeinderat für
die UL ins Stadtparlament gewählt zu werden. Dies trifft auf
dich, lieber Oswald, als auch auf deine Weggefährten Roger
Beißwenger, Uli von dem Berge, Roland Roth und Manfred Blumenschein
zu.
Die
Jugendbewegung schaffte sich mit dem Motzer Mitte 1977 ein unabhängiges
Presseorgan, das über zwei Jahre 14-tägig erschien und
dann in das Schussenblättle überging.
Verwaltungsgericht musste gerufen werden
Die
ersten drei Gemeinderäte der UL - du, lieber Oswald und deine
Mitstreiter - Manfred Blumenschein und Roland Roth - mussten sich
1980 den Zutritt zu den Ausschüssen dieses Gremiums erst über
das Verwaltungsgericht erstreiten. Viele parlamentarische Grundrechte
hat sich die junge UL-Fraktion erkämpft, von denen die heutigen
Gemeinderäte noch profitiert, parlamentarische Grundrechte,
die es gilt, aufrecht zu erhalten und zu verteidigen, wie z.B. Öffentlichkeit
der Sitzungen, Bürgerinformation, Anwendung und Einhaltung
der Gemeindeordnung.
Wo gehobelt wird, da fallen Späne und so gab's für dich,
lieber Oswald, 1983 eine schriftliche Rüge von BM Kohler wegen
einer weitergegebenen Information zur Veräußerung des
städt. Krankenhauses aus einer nichtöffentlichen Sitzung.
Ein großes Anliegen der UL war der Schuldenabbau durch Sondertilgungen,
kostendeckende Gebühren, Verbesserung der Trinkwasserqualität
durch Nitratabbau u.v. mehr, wie sich doch die Themen gleichen.
Antrag auf atomwaffenfreie Zone und Bürgerfragestunde
Im
Mai 1985 lautete eine Schlagzeile in der Schwäbische Zeitung:
"5 UL Anträge bewilligt".
- Fraktionsstatus
auch für die SPD,
- Bürgerfragestunde
in jeder GR-Sitzung,
- Anfragen
der Gemeinderäte in jeder Sitzung möglich,
- Einsatz
des DRK jederzeit in Schussenried.
- Der
Antrag auf atomwaffenfreie Zone wurde vertagt.
Weitere
Schwerpunktthemen, mit denen sich der GR und die UL auseinander
setzten: Klärschlammskandal, fehlende Kindergartenplätze,
Bau des Kiga Spatzennestes, Spielhallenbetreiber und daraus resultierend
die Zweckbindung der Spielgerätesteuer an ein Juze, EVS Konzessionsvertrag,
Blockheizkraftwerk in der Waldklinik, Anbahnung der Kurkrise, starkes
Engagement während der Kurkrise 1995 - Themen, die auch heute
den GR wieder beschäftigen.
Bürgermeisterkandidatur als Höhepunkt
Höhepunkte
deines politischen Wirkens in Bad Schussenried - 13 Jahre Fraktionssprecher
der UL, deine 1. Kandidatur bei der BM-Wahl 1986 - mit dem respektablen
Ergebnis von 30 Prozent der Stimmen, 2. Kandidatur dann 1993, im
1. Wahlgang fehlten gerade mal 68 Stimmen zur absoluten Mehrheit.
Mit drei Mandaten hat die junge UL auf Anhieb begonnen und unter
deinem Mitwirken erlebte sie ein stetiges Wachsen von Kommunalwahl
zu Kommunalwahl und hat sich bei den Wählerinnen und Wählern
so viel Gunst erworben, dass sie heute mit 6 Sitzen und damit als
zweitstärkste Fraktion im Gemeinderat vertreten ist.
Lieber
Oswald, wenn du auch heute aus dem Bad Schussenrieder GR ausscheidest,
so bleibst du der Politik erhalten. Du verlagerst deinen Wirkungskreis
ja nur auf eine neue Ebene. Deshalb zum Abschied aus dem Bad Schussenrieder
GR von der UL etwas zur Erweiterung deiner Gartenbepflanzung, ein
Loorbeernaum. Die Politik brauch, wie diese Pflanze auch, einen
entsprechenden Nährboden und muss gut verwurzelt sein, um erblühen
und Früchte tragen zu können. Ein besonders liebenswerter
Charakterzug, dass du dir deiner Bad Schussenrieder Wurzel immer
bewusst bist und dich immer für die Belange deiner Heimatstadt
eingesetzt hast.
Die
UL wünscht dir im Privaten alles gute und für dein weiteres
politisches Wirken gute Ideen und eine glückliche Hand. Danke
und adieu lieber Oswald.
Jedes
Ende bedeutet auch einen Neuanfang
Liebe
Agnes,
im
Namen der UL ein herzliches Willkommen hier im Bad Schussenrieder
GR. Mit dir betritt eine weitere Frau die kommunalpolitische Ebene
und die UL kann mit der SPD gleichziehen. Mit dir verbessert sich
die Frauenquote im Stadtparlament auf immerhin 20 Prozent. Ich möchte
noch in aller Deutlichkeit hinzufügen, dass wiederum die kleineren
Fraktionen die Nase vorn haben und die größte Fraktion
in Sache Frauenquote einen erheblichen Nachholbedarf hat.
Herzlich Willkommen und Glück auf liebe Agnes.
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